Stellarium - zeig mir die Sterne
In Großstädten verschwindet der Sternenhimmel. Mit Stellarium kann man ihn wieder sichtbar machen.
Ich seh’ dem Sternenhimmel
Das Leben in einer Großstadt bringt einen Nachteil mit sich, den man fast nie bemerkt. Durch die Lichtverschmutzung sieht man kaum noch etwas vom Sternenhimmel. Die Lichter der Stadt überstrahlen das schwache Licht der meisten Himmelsobjekte. Das ist schade, denn ich habe ein Faible für die Astronomie.
Dank der umtriebigen Community gibt es aber eine Software-basierte Lösung für mein Problem. In diesem Artikel möchte ich Stellarium vorstellen. Damit ist es möglich, mir den Sternenhimmel ganz ohne Lichtverschmutzung anzeigen zu lassen.
Stellarium bietet einen sehr großen Funktionsumfang und richtet sich vor allem an Profis. Aber auch Anfänger können damit auf Entdeckungstour gehen. Ich stelle die absoluten Grundfunktionen vor, damit jeder, der Lust hat, einen Blick auf den Sternenhimmel erhaschen kann.
Installation
Stellarium steht für Linux, Mac OS und Windows zur Verfügung. Es ist kostenlos, aber das Team hinter dem Projekt freut sich natürlich über jede Art der Unterstützung. Als Anlaufstelle empfehle ich die offizielle Website des Projektes:
Linux User finden hier ein Snap-Paket, ein App-Image oder wahlweise den Quellcode. Windows- und Mac User finden ihre jeweiligen Binaries für die Installation. Zudem steht eine Web-Version bereit, um Stellarium auszuprobieren.
Ich habe Stellarium in den offiziellen Fedora Repos gefunden und ich bin mir sicher, so ist das auch bei den meisten anderen Distributionen. Ich habe mich für das Flatpak entschieden, da dies bei mir aktueller war.
Erster Start, nicht erschrecken
Wenn man Stellarium startet, landet man buchstäblich auf der grünen Wiese. Der Standort und die Zeit werden automatisch ermittelt (ich vermute via IP). Ich hatte als Startseite folglich den Himmel über Nord-Hamburg.
Es gibt in Stellarium drei Menü Leisten. Rechts oben finden sich Einstellungen zum genutzten Teleskop. Hier fasse ich erst einmal nichts an, da ich mit der Standardansicht arbeite, ich will schließlich nur Sterne sehen.
Öffnet man Stellarium zu Tageszeit, muss die Atmosphäre deaktiviert werden (Screenshot: Markus Daams / 2026)
Links unten finden sich Schnelleinstellungen. So kann ich zum Beispiel die Atmosphäre mit einem Klick ausschalten, dann habe ich freien Blick auf die Sterne. Das ist wichtig, denn Stellarium zeigt mir den aktuellen Himmel zu aktuellen Zeit an. Und schon die alten Griechen hatten erkannt: Mitten am hellen Tag lässt sich nur ein einziger Stern beobachten, die Sonne. Ich kann wahlweise auch die Zeit vor- oder zurückstellen, denn die Position der Himmelsobjekte werden in Echtzeit angezeigt.
Das dritte Menü findet sich ebenfalls links unten, über den Schnelleinstellungen. Hier finde ich verschiedene Optionen für Zeit, Standort, generelle Einstellungen und mehr. Ich öffne als Erstes das Menü für den Standort, denn der wurde nicht präzise erkannt.
Der Standort kann per Text gesucht oder per GPS Koordinaten festgelegt werden (Screenshot: Markus Daams / 2026)
Wie erwähnt ist Stellarium sehr mächtig. So ist es auch möglich, nicht nur jeden Punkt der Erde auszuwählen, um sich den Sternenhimmel anzeigen zu lassen, ich kann sogar den Himmelskörper wechseln. Welchen Himmel haben die Apollo Astronauten gesehen? Ich kann den Mond als Standort auswählen und auf Wunsch sogar ein Datum im Jahr 1969. Wie sieht der Sternenhimmel über Utopia Planitia auf dem Mars aus? Das herauszufinden ist ebenfalls nur ein paar Klicks entfernt.
Intergalaktisch
Man kann sich die Sterne auch vom Mond und anderen Himmelsobjekten aus ansehen (Screenshot: Markus Daams / 2026)
Habe ich den Sternenhimmel vor mir, kann ich mir verschiedene Zusatzbezeichnungen anzeigen lassen. Standardmäßig werden nur die Namen der größten Objekte angezeigt, wie zum Beispiel Merkur, Mars, Sirius usw. Ich kann mir auf Wunsch aber alle Namen und Bezeichnungen anzeigen lassen, wobei es dann aber ruckzuck unübersichtlich wird.
Darüber hinaus kann ich mir die Sternzeichen einblenden lassen und endlich einmal herausfinden, wo denn nun der Löwe oder der Wassermann so herumhängen. Wer besonders neugierig ist, kann auf diesem Wege die Sternzeichen von verschiedenen Völkern betrachten, wie zum Beispiel von den Inuit, Navajo, aber auch den alten Chinesen und noch viele weitere mehr.
Die Sternenbilder verschiedener Völker lassen sich anzeigen (Screenshot: Markus Daams / 2026)
Per Klick kann ich mir künstliche Satelliten anzeigen lassen. Da die Position der meisten Satelliten bekannt ist, lassen sich deren Bewegungen am Himmel exakt nachstellen und anzeigen. Ich kann also quasi in Echtzeit nach verfolgen, welche Satelliten gerade über mir schweben.
Satelliten werden live angezeigt, hier einer von Starlink (Screenshot: Markus Daams / 2026)
Kicke ich ein beliebiges Objekt am Himmel an, bekomme ich viele, wirklich viele Informationen angezeigt, die wohl nur für Astronomen und Hobby Astronomen interessant sind. Mir reicht dann bereits der Name und um was es sich handelt, also Galaxie, Sternenhaufen oder doch ein Nebel.
Außerdem kann ich mir den Sternenhimmel durch ein virtuelles Teleskop anschauen. Es handelt sich um digitale Nachbauten real existierender Teleskope. Hier kann ich auch Digitalkameras und Okulare auswählen. Das ist aber ebenfalls ein Toolkasten für Profis. Spannend ist es alle mal
Selbst der Blick durch ein Fernrohr oder eine Digitalkamera kann simuliert werden (Screenshot: Markus Daams / 2026)
Da geht noch mehr
Stellarium bringt bereits einen sehr großen Funktionsumfang mit, sodass man sofort los legen kann. Wer aber auf den Geschmack gekommen ist, kann es noch erweitern. So ist es möglich, weitere Sternenkataloge herunter zu laden. So kann ich auf Wunsch die Daten von GAIA herunter laden und bekomme auf diesem Wege mehrere Millionen weitere Himmelsobjekte auf den Rechner. Da diese Downloads aber teilweise zig Gigabyte groß sind, lohnt sich dies nur, wenn man es wirklich drauf anlegt. Für kleine Sternengucker wie mich reicht der Standardkatalog völlig aus.
Über das Plugin System lassen sich aber noch viele weitere Extras einbinden. Neben weiteren Okularen, Nebel für meine aktuelle Position und weitere Meteorschauer, kann ich mir sogar auf Wunsch den Flugzeugverkehr mit Echtzeitdaten anzeigen lassen. Das alles ist aber rein optional und soll nur veranschaulichen, was hier alles möglich ist.
Mittels Erweiterungssystem lässt sich Stellarium noch viel mächtiger machen (Screenshot: Markus Daams / 2026)
Mein kleines Fazit
Ein echtes Fazit möchte ich an dieser Stelle nicht ziehen, dafür ist Stellarium zu mächtig. Da ich nicht einmal ansatzweise den ganzen Umfang nutze, wäre eine Bewertung nicht fair. Solch eine Software nutzt man idealerweise für die Planung einer Beobachtungskampagne und kann von Lichtverhältnissen bis zum eingesetzten Gerät alles simulieren. Das ist schon echt stark.
Was mir besonders gefällt ist die Möglichkeit, einen Blick auf den Sternenhimmel direkt über mir zu erhaschen. Ich sehe nicht nur die Sterne, Galaxien usw., sondern auf Wunsch auch Satelliten und andere künstliche Objekte. Wie eingangs erwähnt, wohne ich in einer Großstadt, deren Lichtverschmutzung die Beobachtung der Sterne sehr erschwert, daher freue ich mich über die gebotenen Möglichkeiten.
Durch den riesigen Funktionsumfang ist die Bedienung von Stellarium aber nicht sehr anfängerfreundlich. Obwohl die wichtigsten Funktionen in schnell verfügbaren Menüs liegen, ist dennoch etwas Einarbeitungszeit nötig, um damit klarzukommen. Jedenfalls ging es mir so. Das soll aber keine Kritik meinerseits sein, denn Stellarium ist kostenlos und wird von einer sehr engagierten Community mit Updates und Inhalten versorgt. Alleine das, verdient Anerkennung und Lob.
Ich hoffe daher, ich konnte mir diesen Artikel ein bisschen Neugier wecken. Wer die Sterne über sich entdecken möchte, sollte Stellarium unbedingt einmal ausprobieren.
