Star Trek ist tot - mal wieder
Star Trek wird mal wieder zu Grabe getragen. Warum es nicht lohnt zur Schaufel zu greifen erkläre ich hier.
Wir schreiben das Jahr 2026. Star Trek wurde von vielen wieder einmal für tot erklärt. Dem stelle ich mich mutig entgegen.
In diesem „Wort zum Mittwoch“ will ich meine Gedanken zu Star Trek zum Besten geben, allerdings auf eher humorige Weise. Dass mein Lieblings-SciFi-Franchise permanent zu Grabe getragen wird, ist Grund genug, einmal vom Leder zu ziehen. Seit jeher polarisiert jede neue Iteration von Gene Roddenberrys Gedankenkind so sehr, wie ein gut eingestellter Bussard Kollektor. Also werfe ich meinen eigenen Blick zurück und um klarzumachen, warum Star Trek nicht tot ist und nicht sterben wird, obwohl es aktuell den Anschein macht.
In diesem Artikel lasse ich aber die Filme außen vor, denn sonst würde der Text zu lang werden. Die meisten Filme erzählen ohnehin die Geschichten der Serien weiter. Und die Filme, die eine eigene Geschichte erzählen, sind aktuell noch nicht so zahlreich. Die Filme verdienen aber einen eigenen Artikel, der irgendwann kommt. Ich hoffe, noch vor dem ersten Warp Flug.
Also, Energie!
TOS: The Original Series
Ich habe diese Serie als Kind gesehen. Ich war sehr jung und habe praktisch nicht viel verstanden. Ein blonder Typ reist mit seinem Raumschiff und einem weiteren Typen mit spitzen Ohren durch den Weltraum um Dinge zu tun. Mir war damals nicht ganz klar, worin Captain Kirk seinen Arbeitsauftrag verstand. Er landete auf Planeten, knatterte sich durch die weibliche Population und sporadisch hatte ein Crewmitglied einen fiesen Drogentrip.
Bei TOS sprang der Funke für mich noch nicht über. Die Kulissen wirkten mir damals schon zu billig und das ist ein fast schon obszöner Verriss eines Jungen, der Knight Rider geliebt und verehrt hat. Für mich wirkte die Serie aus der Zeit gefallen. Allerdings haben mich die gezeigten Raumschiffe bereits angefixt und die Enterprise meine Fantasie beflügelt. Ich begann mich für Raumfahrt zu interessieren.
Star Trek: The Next Generation
Diese Serie hat mich und sehr viele andere Nerds und Nerdetten zu Trekkies gemacht. Schon die ersten beiden Episoden (Der Mächtige / Mission Farpoint) haben mich in ihren Bann gezogen. Eine Crew mit teils dramatisch kurzen Uniformen, eine brandneue Enterprise und ein genialer Oberschurke („Q“) – das hat gesessen. Die Technik der Enterprise hatte mich damals sehr begeistert. Stimmenaktivierung, Tablet-PCs, Scanner und viele aufregende Dinge mehr. Zudem wirkten die Sets nicht so, als hätte man Oma Huldas Dachboden nach Requisiten durchsucht. Mit jeder Folge wuchs meine Begeisterung für Wissenschaft, Raumfahrt, Technik und Deanna Trois sehr – wirklich sehr – kurzer Uniform.
Die Uniformen wurden länger und die Serie brachte es auf 7 Staffeln. Mit den Borg wurde zudem ein kultiger Antagonist eingeführt. TNG ist und bleibt das, was Riker für Picard war, meine ewige Nummer 1 (badum tsss).
Star Trek: Deep Space Nine
Mit Deep Space Nine kam der nächste Ableger von Star Trek. Dieses Mal war es jedoch kein Raumschiff auf wichtiger Mission, sondern eine Raumstation. Diese wurde noch nicht einmal von Menschen erbaut, sondern nur betrieben. Als Raumschiff-Nerd war das erst einmal ein Downer, aber das Konzept zündete nach den ersten beiden Staffeln. Mit der Defiant Klasse gab es später aber auch Futter für die Raumschiff-Nerds.
Allerdings begannen in den späteren Staffeln meine ersten Probleme mit dem Star Trek Universum. Charakterentwicklung und spannende Storys mussten immer mehr Kriegen Platz machen. Immer größere Flottenverbände trugen diverse Meinungsverschiedenheiten aus und irgendwer hat irgendwem wegen irgendwas den Krieg erklärt. Das brachte zwar Quote, aber ich begann, die klassische Star Trek Wissenschaft zu vermissen.
Das sah aber nur ich so. Die Serie brachte es ebenfalls auf 7 Staffeln und einen Haufen ikonischer Charaktere hervor.
Star Trek: Voyager
Alles wieder gut! Die USS Voyager wurde kurzerhand in den Delta-Quadranten katapultiert, sodass das Writing Team mit einem leeren Blatt anfangen konnte. Die Serie lehnte sich vom Konzept her an „The Next Generation“ an, nur das der Captain wesentlich mehr Haare hatte und sogar eine Frau war. Mir hat die Serie sehr gefallen, auch wenn ich schon damals das Gefühl hatte, dass man zu viele Lückenfüllerfolgen eingebauen musste, um auf die nötige Folgenzahl zu kommen.
Dennoch zündete die Serie bei mir. Auch dann noch, als man schon wieder in den späteren Staffeln die Ballermänner zückte und munter auf alles feuerte, was nicht auf 1 der Föderation beigetreten ist. Die Borg hatten es verdient, keine Frage, und Spezies 8472 ebenfalls, auch wenn die nicht mal mehr einen Namen bekommen haben. Phaser auf „weg mit euch“. Wir Raumschiff-Nerds wurden mit der Prometheus-Klasse ohne Umwege ins Paradies verfrachtet. Multi-Vektor-Angriffsmodus – oui, oui, sag es mit einer sexy Stimme.
Voyager war nach 7 Staffeln auserzählt, bekam ein tolles Ende und mindestens ein Borg wurde menschlich. So muss das.
Star Trek: Enterprise
Die nächste Serie spielte nicht mehr im unmittelbaren Kosmos von The Next Generation, sondern schickte sich an, die erzählerische Lücke zwischen dem Aufbruch ins All (Erster Warp Flug der Phoenix) und The Original Series rund um Kirk zu schließen. Die Serie schaffte es den Fandom komplett zu spalten. Den TOS Ultras passte das Art-Design nicht, da es keinerlei Referenzen auf die TOS Ära enthielt. Die TNG Fraktion wünschte sich eigentlich eine Enterprise-E mit neuer Serie und der Rest, zu dem ich mich zählte, war einfach nur so am herum mosern.
Die ersten beiden Staffeln hatten das Star Trek typische Episoden Format. Irgendjemand wird in eine Pflanze verwandelt oder trifft auf eine uralte Gottheit und nach 45 Minuten waren alle Probleme perfekt gelöst. Das funktionierte in den 2000er Jahren nicht mehr, denn das Genre hatte sich inzwischen weiter entwickelt. Der Writing Room der Serie steuerten dagegen, indem sie einen Episoden übergreifenden Story Arch anlegten. Als neuer Bösewicht wurden die Xindi eingeführt. Die Serie hat den 9/11 Anschlag einfach nacherzählt und Handlung wurde durch Feuerkraft ersetzt. Nach weiteren zwei Staffeln war dann auch schon Schluss mit der Serie. Die Story wurde auf dem Holodeck beendet, ein grauenhafter Tod.
Ab hier hörte mein passioniertes Nerd-sein rund um Star Trek auf, denn wir alle werden älter. Zudem legte auch das Franchise ab hier eine längere Pause ein.
Star Trek: Discovery
Spulen wir ins Jahr 2017 vor. Eine neue Serie landet in den Streamingportalen, denn lineares Fernsehen hat seinen langen Marsch in die Technikmuseen angetreten. Mit DSC kam eine brandneue Serie aus dem Star Trek Universum an den Start. Neues Jahrhundert, neue Zeitlinie, neues Raumschiffdesign. Das Sci in SciFi hatte man direkt über Bord geworfen. Statt eines durchaus denkbaren Warp Antriebes (siehe z.B. Alcubierre / van den Broeck) gab es nun ein Pilznetzwerk, durch das man reisen konnte. Das allerdings war auch nur ein Plot Device für einen der Charaktere an Bord der Discovery. Wo schlechte Drehbücher sinnlos walten, da müssen Pilze den Plot am Leben halten.
Generell wurde in der Serie viel geweint, geflucht und viele Späße getrieben. Die Macher bemühten sich sehr, den alten Muff und das Nerd-Gebrabbel der alten Serien hinter sich zu lassen. Das ist ihnen gelungen. Allerdings litten Story und Charakterentwicklung ebenfalls unter dem neuen Ansatz. Alte Star Trek Fans fühlten sich nicht abgeholt und viele neue Fans haben sich nicht eingefunden. Zwar sollte die Serie dem originalen Kanon treu sein, konnte diesen Anspruch aber nicht transportieren.
Immerhin brachte man es noch auf 5 Staffeln, aber nur 38 % Zuschauer-Score auf Rotten Tomatos.
Star Trek: Picard
Diese Serie sollte vor allem die TNG Fans abholen. Wir bekamen Picard, Riker und Troi zurück und dazu eine schnarch lahme Serie. Ich musste Picard dabei zuschauen, wie er einfach nur alt war. Ich musste meinem Helden Riker dabei zu sehen, noch älter zu sein und Troi – ist und bleibt perfekt, also keine Kritik an dieser Stelle.
PIC litt, genau wie DSC an einer schwachen Story, weh ledigen und teils nervigen Charakteren und einem Plot, der mehr vom engen Produktionsbudget als von der Fantasie begabter Autoren lebte. Die dritte Staffel rettete – ein bisschen – Teile des alten TNG Geistes riss hier aber nichts mehr heraus. TNG ist Vergangenheit und für viele sicherlich das, was TOS einst für mich war – irgendwie aus der Zeit gefallen.
Nach 3 Staffeln war hier Ende im Gelände und für manchen TNG Fan kam dieses Ende 3 Staffeln zu spät.
Star Trek: Lower Decks
Mir bedeutete Star Trek sehr viel und daher kam es mir nicht in den Sinn, über diese Serie zu lachen. Daher hatte ich LD zunächst ignoriert.
Es handelt sich um eine animierte Serie. Mit den Kadetten der Unterdecks wollte man die Abenteuer der Raumschiffe aus der Sicht der Fußtruppen erzählen, die ohnehin nicht viel mitbekommen. Das ist ein Kontrast zu allen anderen Serien, wo wir stets und fast ausschließlich die Brücken-Crews zu sehen bekommen.
Ich tat mir die Serie irgendwann und aus Langeweile doch an und zugegeben, sie zündete bei mir. Es gibt zahllose Andeutungen an die alten Serien, Raumschiffe und Charaktere. Ich empfand es auch nie als „darüber lustig machen“, sondern mehr als Referenz oder als Hommage. Zudem erlebte ich endlich mal wieder konsistente Charaktere und einen halbwegs sinnvollen Story Arch, der zumindest innerhalb der Serie funktionierte. Kleiner Spoiler Als am Ende der Staffel 2 die USS Titan auftauchte und zum Star Trek Theme den Tag rettete, hatte ich es wieder, das alte Star Trek Feeling. /Kleiner Spoiler.
Die tolle deutsche Synchronisation will ich hier auch noch erwähnen. 5 Staffeln wurden bisher veröffentlicht und ich weiß aktuell nicht, ob es noch weiter geht. Ich hoffe allerdings schon.
Star Trek: Strange New Worlds
Diese Serie spielt in der Zeitlinie unmittelbar vor TOS. Kirk ist noch ein Unterdeckler und die Enterprise wird von Captain Pike kommandiert. Das Setdesign und der optische Style spielen durchweg auf TOS an, ohne es zu übertreiben. Dennoch wurde alles liebevoll modernisiert. Captain Pike hat zuweilen Kirk’sche Anwandlungen und knattert ebenfalls auf fremden Planeten herum. Dennoch hat sich die Serie aus dem Korsett von TOS gelöst – was den interstellaren Frauenrechten guttut.
Die Charaktere sind interessant gestaltet und die Story findet wiederum oftmals im Episoden Format statt. Das heißt, ab Minute 1 hat man ein garantiert unlösbares Problem, was man in Minute 50 gelöst hat. Das ist ok, das ist halt einfach Star Trek.
Ich musste die Serie allerdings zweimal schauen, um sie endlich zu mögen. Für Nerds gibt es hier nichts zu sehen. Diese Serie lebt von den Charakteren und ihren Wehwehchen. Eine gut aussehende Constitution-Klasse muss uns genügen. Diese wird aber durch annehmbare CGI toll ins Licht gesetzt.
Nach 4 Staffeln ist hier allerdings Sense. Die Serie konnte nicht genügen Views generieren.
Star Trek: Starfleet Academy
Diese Serie ist der Grund für die aktuellen Todesmeldungen rund um Star Trek. Sie spielt im Discovery Universum und basiert folglich auf dem Brand.
Eine hauchdünne und inhärent unlogische Story trifft auf bemerkenswert schlecht geschriebene Charaktere. Star Trek steht hier wirklich nur auf der Verpackung. Der Inhalt besteht aus den Eitelkeiten der Producer und dem kreativen Bankrott des Showrunners. Dem Cast mache ich keine Vorwürfe, denn die mussten einen großen und stinkenden Haufen Mist aus Drehbüchern als Gold verkaufen. Mit der zweiten Staffel ist hier auch bereits Schicht.
Star Trek wird ab hier einen Reset brauchen.
Star Trek: Echt so schlimm?
In den Serien rund um die Abenteuer der Discovery und die Academy hat man sich völlig verrannt. Immer hanebüchenere Storys trafen auf richtig schlecht geschriebene Charaktere. Eine Burnham kann gegen einen miesen Plot nicht anheulen, so viel Tränen gibt es nicht. Das ist aber kein Problem von Star Trek, sondern findet aktuell in ganz Hollywood und in anderen Franchises statt (The power of maaaanyyy). Schlechte Drehbücher, schlechte Plots und noch schlechtere Producer sind das Leid aller Serien, nicht nur von Star Trek.
Das ist jedoch kein neues Problem. Wenn ein leicht bekleideter Kirk auf einem Planeten der Lust landet um dort den „Hammer kreisen“ zu lassen, dann ist das nicht gerade toll erzählt. TOS litt an einem sehr engen Budget, einem hauchdünnen Plot und war nach 3 Staffeln bereits wieder vorbei. Das Raumschiff Star Trek hob danach aber erst richtig ab. Mit TNG bekam Gene Roddenberry mehr Budget und die Technik hatte sich weiter entwickelt. Moderne Filmsets konnten die Zukunftsvision darstellen, die man schon mit TOS zeigen wollte.
Star Trek erzählte abwechselnd mal von einer düsteren und mal von einer sehr positiven Zukunft. Oft reflektierten sich in den Geschichten auch die vielen Dramen unserer Gegenwart. Vieles hat funktioniert, einiges nicht. Mit dem Spiegeluniversum gönnte man sich zudem eine ausgedehnte Spielwiese für die eigene Hitler-Manie. Lazy Storytelling gehört ebenfalls zu Star Trek, wie ein gut justiertes EPS-Gitter mit Primär- und Sekundärkreislauf, das Mulitversum der Abteilung Marvel lässt lieb grüßen.
Was bleibt ist ein Franchise, das an Reichweite den Star Wars Bruder jedoch immer noch übertrifft. Fans schreiben, singen und verfilmen ohne Ende Fanfiction. Auch ich habe mich neulich wieder dabei erwischt, wie ich eine neue Raumschiffklasse gekritzelt habe (die Specter Klasse ist ein schneller Raumkreuzer zur Kampfunterstützung). Viele Nerds tragen Star Trek stets im Herzen und wir werden immer wieder einschalten, wenn es etwas Neues gibt.
Star Trek ist nicht tot. Es läuft aktuell auf Hilfsenergie, aber das ist nichts, was ein paar gute Drehbuchautoren und ein passionierter Showrunner wieder hinbekommen können.
Logbucheintrag Ende.
