Lieblingsfotos - der neunte Teil
Mit der Hochbahn auf der Elbe schippern? Das geht! Lieblingsfotos die 9.
Die Fähren und ich
Einen Artikel über die Fähren in Hamburg hatte ich schon länger in der Planung. Als ich dafür meine Fotos sichtete, ist mir aufgefallen, wie viele Fotos ich von diesen gemacht und als Lieblingsfotos markiert habe. Daher habe ich mich dazu entschieden, zwei Artikel hierfür zu erstellen. Das gibt dann auch genügend Raum, diese fleißigen Bienchen angemessen vorzustellen.
Fähren in Hamburg haben eine lange Geschichte und sie gehören fest zum Stadtbild, zumindest zu dem nassen Teil. Wer einen Spaziergang an der Elbe zwischen Elbphilharmonie und Blankenese unternimmt, wird einige von ihnen zu sehen bekommen. Wer will und ein gültiges Ticket hat, kann jederzeit zusteigen und sich den Hafen von der Wasserseite aus ansehen. Sehr viele Menschen tun das und besonders bei gutem Wetter ist ordentlich was los. Touristen, Hafenbummler, Hafenarbeiter, Pendler, viele nutzen oder brauchen sie.
Das ist Grund genug den Fähren in Hamburg die Bühne zu geben. Es folgt der erste von zwei Teilen über die Fähren in Hamburg
Sie gehören zum Stadtbild
Hamburger kann ein Foto kaum werden (2015 / Markus Daams / CC0)
Wenn man an der U- und S-Bahnstation Landungsbrücken aussteigt und den ersten Blick auf die Elbkulisse erhascht, springen sie einem praktisch ins Auge. Gemeint sind die Hafenfähren. Sie fahren an den Pontons ständig an und ab um Menschen über die Elbe zu bringen, oder wahlweise auch rauf und runter. Mitten durch Hamburg fließt eben dieser lange Fluss, der ab Geesthacht seine letzten Meilen in Richtung Nordsee antritt. In Hamburg selbst teilt sie sich zudem noch einmal in Norder- und Süderelbe auf, nur um sich gleich wieder zu vereinen. Dazu kommen noch Alster, Bille, Este und weitere Zuflüsse, sowie Hoch- und Niedrigwasser, denn ab hier ist die Elbe tideabhängig. Das ist viel Wasser, das über- oder unterquert werden muss.
Um das zu schaffen, wurden Brücken gebaut und Tunnel gebohrt. Aber Tunnel können ab und zu geschlossen und Brücken gesperrt werden. Dann ist man froh, wenn es noch eine weitere Möglichkeit gibt, überzusetzen. Hier kommen die Fähren ins Spiel.
Uns Hamburgern fallen sie nicht mehr auf, wir haben uns an sie gewöhnt. Für viele Touristen sind sie eine Attraktion und für Pendler nach wie vor eine Notwendigkeit. Die Hafenfähren gehören zu Hamburg wie Michel und Fischmarkt.
Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Eine Fähre vor dem Schriftzug Hamburg, das Motiv hat für mich einfach gepasst. Die Blohm + Voss Docks sind oft mit belangloser Werbung zu gekleistert. Hin und wieder gibt es aber einen tollen Spruch mit Bezug zur Stadt. Schiebt sich dann eine Fähre davor, gibt das ein tolles Motiv.
Fährschiff Typ III
Die Kirchdorf am Abend vor der Hafenkulisse in Hamburg (2014 / Markus Daams / CC0)
Meine ersten bewussten Erfahrungen mit den Hafenfähren begannen in den 1990ern. Zu dieser Zeit musste ich hin und wieder mal nach Finkenwerder und das lag für mich auf der anderen Seite der Elbe. Der gefühlt schnellste Weg rüber war der Törn mit der Fähre. Ende dieser Dekade waren noch Fährschiffe vom Typ III im regulären Liniendienst unterwegs. Die „Kirchdorf“, man sieht sie auf dem Foto, ist eines davon.
Hafenromantik stieg zu dieser Zeit jedoch nicht in mir auf. Diese Fähren waren laut, haben jede noch so kleine Welle spürbar gemacht und auch wenn der Weg nach Finkenwerder nicht lang war, er kam einem in den Dingern endlos vor. Wer damals in Hamburg aufwuchs, hat die Fähren schnell als Selbstverständlichkeit hingenommen, als etwas, das da ist, weil es da sein muss. Ich habe nicht einmal mitbekommen, als die Typ III aus dem Liniendienst genommen wurde und irgendwann nicht einmal mehr als Verstärker fuhren.
Die Typ III Fähren wurden entweder in die ganze Welt verkauft oder verschrottet. Ein paar von ihnen wuseln heute noch im Hafen herum. Entweder als Museumsschiff, oder für Ausflugs-. bzw. Charterfahrten.
Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Es ist kein gelungenes Foto, da ich es aus der Bewegung einer anderen Fähre und zudem in der Abenddämmerung gemacht habe. Als ich die Kirchdorf sah, überkam mich ein wenig die Wehmut. In diesem Moment ist mir aufgefallen, dass ich irgendwann einmal die letzte Fahrt auf ihr gemacht hatte, ohne es zu merken.
Ein Kommen und Gehen
Treffen sich zwei Fähren … Immer was los im Hafen (2023 / Markus Daams / CC0)
Die Typ III Fähren gingen und die Typ 2000 kamen. Die neueren Fähren haben den Spitznamen „Bügeleisen“ bekommen, denn ihre Form erinnert an genau dieses Utensil zur Textilglättung. Ich mochte sie, weil diese nicht die „Rumpeldampfer“ Vibes der alten Typ III verströmten. An- und Ablegen erfolgten geschmeidiger und das Freideck war groß und offen.
Ende der 1990er gab es aber ein Problem: Kaum jemand mochte die Fähren. Mit dem Sterben der Werften im Hafen sanken auch die Fahrgastzahlen. Wer „drüben“ arbeitete, hat häufig den Fußmarsch durch den alten Elbtunnel angetreten. Ich habe mich immer mal wieder völlig alleine auf der Fähre wieder gefunden. Ihr Betrieb war zudem teuer und musste bezuschusst werden. Ich habe einmal die Summe von 100.000 Euro pro Jahr und Fähre vernommen, jedoch ohne Gewähr. Ich kann es mir aber gut vorstellen, denn Schiffsdiesel ist nicht billig und die Wartung der Fähren ebenfalls nicht. Man überlegte sogar, den Betrieb ganz einzustellen.
Um die Fähren attraktiver zu machen, hatte man sich was einfallen lassen. Man bewarb den Törn auf ihnen als „die günstigste Hafenrundfahrt der Stadt“. Das ist wahr, denn die Fähren fahren innerhalb des Hamburger Verkehrsverbundes HVV. Wer also ein Jahres- oder Montatsticket besitzt, oder auch nur eine Tageskarte für U-, S-Bahn und Bus, kann auch den lieben langen Tag auf den Fähren fahren. Diese Werbekampagne war ein großer Erfolg. Aus heutiger Sicht etwas zu groß.
Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Dieses Foto steht sinnbildlich für den Fährbetrieb im Hafen. 8 reguläre Linien und 18 Haltestellen sind ein Netz, dass bedient werden muss. So begegnen sich Fähren derselben und verschiedener Linien immer wieder auf dem Fluss. All das findet statt, während der Betrieb im Hafen immer weiter gehen muss.
Von früh bis spät
Die Fähren fahren früh los und dann bis spät in die Nacht (2023 / Markus Daams / CC0)
Wie bereits erwähnt, schlug die Werbekampagne an. Es waren aber weniger die Hamburger, die die Fähren enterten, sondern Touristen, die mit einer günstigen Tageskarte einen Törn unternahmen. Besonders die Linie 62 hatte es ihnen angetan. Sie pendelt zwischen Landungsbrücken und Finkenwerder und macht an ein paar weiteren Stationen halt. Früher fuhr sie so lange im Kreis, bis der Diesel alle war und wurde dann ersetzt. Schlaue Touristen haben sich also einen Platz gesucht, das Brot ausgepackt und ließen sich im Kreis durch den Hafen gondeln.
Auf diese Idee kamen immer mehr Menschen, sodass die Fähren zumindest auf dieser Linie nicht mehr nur ausgelastet waren, sie waren völlig überlastet. In einem Fall wurde eine Fähre sogar aus dem Betrieb genommen, weil viel zu viele Menschen an Bord waren. Auf einigen Anlegern kann es zu Stoßzeiten vorkommen, dass Angestellte des Sicherheitsdienstes der Hochbahn für Ordnung sorgen müssen. Die Fähren sind eine so große Attraktion geworden, dass eine Fahrt mit ihnen in den Sommermonaten zum Glücksspiel werden kann. Die Flotte wächst und wächst aber es beschleicht einem das Gefühl, sie kommen nicht hinterher. Die 62 wird inzwischen nach einer Rundfahrt ausgesetzt, sodass man es sich nicht zu gemütlich machen kann. Wer im Kreis fahren will, muss zur Nächsten hechten. Geholfen hat aber auch das nicht.
Früh am Morgen haben die Hamburger die Dampfer häufig noch für sich selbst. Der Betrieb geht um 4 Uhr herum los und geht bis spät in die Nacht. Nach wie vor sind Pendler auf die Fähren angewiesen, denn im Hafen wird weiterhin gearbeitet. Einige Stationen liegen an Orten, wo kein Tunnel und keine Brücke hinkommen.
Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Als ich die „sehr früh Schicht“ hatte, habe ich öfters einmal den kleinen Umweg über die Landungsbrücken gemacht. Statt mit der S-Bahn bin ich mit der Fähre gefahren. Den Sonnenaufgang auf einem der Bügeleisen zu erleben ist etwas, von dem man nie genug bekommen kann.
Wetter ist eh immer
Wat mutt, dat mutt, auch bei schlechtem Wetter (2015 / Markus Daams / CC0)
Eines regnerischen Tages stand ich vor der Herausforderung, von Finkenwerder zurück nach Hause zu kommen. Zu dieser Zeit fuhr ich mit dem Bus nach Altona und von dort mit der S-Bahn weiter, denn die Fähren habe ich wegen der vielen Touristen eher gemieden. Allerdings war der Elbtunnel mal wieder dicht und es blieb mir nichts anderes übrig. Das Wetter an dem Tag war so schlecht, dass die Fähre einigermaßen leer war, also nahm ich sie.
Die Dampfer fahren 365 Tage im Jahr und das bei so gut wie jedem Wetter. Wenn die S-Bahn schon den Betrieb einstellt hat und sich die Bäume auf den U-Bahn-Gleisen lang machen, fahren die Bügeleisen immer weiter ihre Runden. Ich persönlich habe es noch nicht erlebt, dass eine Fähre wegen zu schlechtem Wetter nicht fahren konnte. Klar, auch das kommt hin und wieder einmal vor. Mir selbst ist es aber nie passiert – ein Glück.
Bei starken Böen wird auch die Elbe sehr unruhig und das bekommt man zu spüren. Ganz besonders merkt man das bei den Flachfähren, immer noch gehörig merkte man das bei den Typ III Dampfern. Bei den Bügeleisen ist es nicht ganz so „einschüchternd“. Wer es aber nicht gewohnt ist, wird sich möglicherweise wundern. Bei sonnigem Wetter kann jeder fahren. Wer war erleben will, wartet auf richtig schlechtes Wetter.
Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? An dem Tag, als dieses Foto entstand, herrschte besonders schlechtes Wetter in Hamburg. Allerdings hatte mich die Unwetterwarnung nie erreicht und als ich bei meiner Fototour an den Landungsbrücken stand, war ich überrascht, wie doll Wind wehen und aus welchen Richtungen Wasser so kommen kann. Es war so schlechtes Wetter, dass ich überrascht war, dass die Fähren immer noch fuhren. Aber aus eigener Erfahrung wusste ich auch, wie froh die Menschen darüber sind, die darauf angewiesen sind.
Michel, Schiffe und Fähren
Den großen Pötten wird natürlich Vorfahrt eingeräumt (2019 / Markus Daams / CC0)
Mit der Hochbahn auf der Elbe schippern – was meine ich eigentlich damit?
Die Fähren in Hamburg werden von der Hafendampfschiffahrts-Actien-Gesellschaft, heute HADAG Seetouristik und Fährdienst betrieben. Diese Gesellschaft ist eine Tochter der Hamburger Hochbahn AG, HHA. Diese betreibt die U-Bahn in Hamburg und viele Buslinien.
Die HADAG hat eine sehr lebhafte Geschichte hinter sich und ich empfehle bei Interesse den Wikipedia Artikel über das Unternehmen. Neben dem Liniendienst bietet sie Hafenrundfahrten und Charterfahrten an. Wer will, kann zum Beispiel seine Hochzeit an Bord einer der Fähren feiern.
Alle anderen können sich ihr Fahrkarte schnappen und Hamburg auf dem Wasserweg erkunden. Selbst jemand, der mit den Dampfern aufgewachsen ist, kommt immer noch ins Staunen, wenn plötzlich ein Containerriese den Weg versperrt. Oder man freut sich, wenn man „mal schnell“ mit der 62 nach Finkenwerder kommt, einen Spaziergang durch den Gorch-Fock-Park macht, anschließend mit der 64 nach Teufelsbrück übersetzt, um an der Elbe entlang wieder zurück in die Stadt zu kommen. Die Fähren machen es möglich.
Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Dieses Foto repräsentiert, was ich oben beschrieben habe. Die Fähren halten den Betrieb stets aufrecht, unabhängig davon, wer oder was gerade Vorfahrt auf der Elbe hat. Vom Gorch-Fock-Park aus kann man das besonders gut beobachten. Und auch fotografieren.
Zum Schluss
Das war der neunte Teil meiner Lieblingsfotos und der erste von zwei Teilen über die Fähren in Hamburg. Ich habe nicht nur viele Fotos von ihnen gemacht, ich verbinde auch viele Erinnerungen mit ihnen. Ich bin sogar überrascht, wie viele es sind. Die Durchsicht meiner Fotos hat einige von ihnen wieder zu Tage gefördert.
Noch ein Hinweis: Viele meiner Lieblingsfotos finden sich auch auf meinem Profil auf Flickr und auf Pixabay. Einige davon werde ich in diesem Blog zukünftig vorstellen.
