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Lieblingsfotos - Der zehnte Teil

Noch ein bisschen mehr Fährenromantik gibt es mit der 10. Ausgabe meiner Lieblingsfotos.

Lieblingsfotos - Der zehnte Teil

Im neunten Teil meiner Lieblingsfotos hatte ich bereits einen zweiten Artikel über die Fähren in Hamburg angekündigt. Ihre Bedeutung für den Betrieb im Hafen und innerhalb des ÖPNV kann man nicht hoch genug einschätzen. Im Laufe der Zeit habe ich zahlreiche Fotos von diesen schwimmenden Arbeitsbienchen geschossen und bei der Durchsicht ist mir aufgefallen, wie viele Erinnerungen ich mit ihnen verbinde.

Es sind einige Erinnerungen zusammen gekommen. Von unvergesslichen Sonnenauf- und untergängen, über richtig schlechtes Wetter bis traditionelles, hamburgisches Verkehrschaos. Mit der Zeit bekommt man von allem etwas davon mit. Die Fähren sind für Hamburger selbstverständlich und ein fester Bestandteil der Stadtkulisse. Sie sind einfach immer da, fahren bei praktisch jedem Wetter und bringen uns sicher ans Ziel. Es gibt keine schönere Art, um von den Landungsbrücken nach Finkenwerder zu kommen. Das wissen natürlich auch die zahlreichen Touristen, die Hamburg besuchen. Es ist inzwischen ein Glücksspiel geworden, im Sommer einen Platz auf der 62 zu bekommen. Für Touristen die günstigste Hafenrundfahrt in Hamburg, für Pendler ein echtes Problem. Das passiert eben, wenn sich ein einfaches Beförderungsmittel zu einer Touristenattraktion mausert.

Aber in diesem Artikel geht es nicht darum, über die Wehwehchen mit unseren Bügeleisen zu meckern. Vielmehr will ich sie in das richtige Licht rücken und sie feiern. Denn eine Stadt, die aus viel Elbe, Bille und Alster, sowie zahlreichen Kanälen und Fleeten besteht, kommt ohne Fähren und Barkassen nicht über die Runden.

Also, gehen wir noch einmal an Bord.

Hamburgs Originale

Eine Fähre vor der Cap San Diego Treffen sich zwei Hamburgensien, ein Bügeleisen und die Cap San Diego (2015 / Markus Daams / CC0)

Sie werden irgendwie ihren Weg finden. Die Fähren in Hamburg müssen sich in den „fließenden Verkehr“ auf der Elbe mit einfädeln. Sonderrechte gibt es keine für sie und wenn eine alte Dame wie die Cap San Diego, das größte noch fahrfähige Museumsfrachtschiff der Welt, ablegt, dann muss sich das Bügeleisen irgendwie dahinter setzen und links überholen. Das heißt auch, dass sich an sämtliche Regeln gehalten werden muss. Der größere Pott hat Vorfahrt, es gilt in der Regel Rechtsfahrgebot und die Bojen haben immer recht. Auf der Elbe geht es aber entspannter zu, denn man kann sich via Funk miteinander absprechen.

Es kann passieren, dass die eigene Fähre ordentlich Verspätung aufzählt, weil ein größerer Dampfer gerade seinen Platz benötigt um zu rangieren. Im Falle der grazilen Cap San Diego geht das recht schnell vonstatten, denn die alte Dame ist überraschend schnell unterwegs. Ein riesiges Containerschiff, das zum Beispiel vor dem Container Terminal wenden muss, ist ein ganz anderer Schnack. Hier kommt dann noch die Schlepperassistenz dazu, die ebenfalls Raum für Manöver braucht. Dann wird es schnell eng auf der Elbe. Trotzdem schaffen es die kleinen flinken Fähren immer wieder ihre Lücke zu finden, um die Fahrgäste möglichst zügig ans Ziel zu bringen.

Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Ich hatte es nie geplant, die Cap San Diego beim Ablegen zu fotografieren. Ich war immer rein zufällig vor Ort und habe mich natürlich riesig gefreut, wenn der Schwan des Atlantiks Fahrt machte. Auf dem Foto sind zwei echte Hamburgensien zu sehen und daher hat es einen festen Platz in all meinen „Best-ofs“.

Gespenstische Atmosphäre

Hafenfähre in Nebel Die Fähren sind auch im dichten Nebel ein sicheres Verkehrsmittel (2016 / Markus Daams / CC0)

Eigentlich kündigt sich schlechtes Wetter immer irgendwie an. Vor dem Donnerwetter türmen sich die dunklen Wolken auf und vor dem Orkan gibt es die steife Brise. Manchmal kommt es aber vor, dass es gar keine Vorzeichen gibt. Dann wird man vom Wetterumschwung regelrecht überrascht.

Nebel ist ein Kandidat, der immer wieder für genau diese Überraschungen sorgen kann. Hatte man eben noch beste Sicht auf die Hafenkulisse, kann man 10 Minuten später gerade noch so weit gucken, wie die Fußspitzen reichen. Die Fähren fahren natürlich weiter, wie auch alle anderen Schiffe, Binnenschiffe, Barkassen und so weiter. Es stehen Radar, Satellitennavigation, das gute alte Signalhorn, Positionslichter und der Funk zur Verfügung, damit der Betrieb weiter gehen kann. Das klappt gut und man kann sich auch dann auf der Fähre sicher fühlen, wenn die „Suppe“ wieder so dicht ist, wie der Matrose auf dem ersten Landgang.

Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Eines Tages hatte ich vor, Motive für Fotos in schwarz-weiß zu suchen. Dazu sollte es ein bisschen diesig sein, damit die Oberflächen nass genug waren, um zu spiegeln. Nur sollte es nicht regnen, denn meine Kamera war mir lieb und teuer. Als dieser Tag kam, bin ich los, um meine kleine Mission zu erfüllen. Ein schönes Motiv ist immer die Fischauktionshalle in Altona und da diese direkt am Fähranleger residiert, bin ich hier auch gleich auf die 62 gestiegen. Der Nebel kam überraschend schnell und hat den ganzen Hafen in einen gespenstischen grauen Schleier gehüllt. Dann sieht man den Hafen nicht mehr, dann kann man ihn nur noch hören und erahnen. Solche Momente vergisst man nicht.

Eisvergnügen der HADAG Art

Eine Fähre ist unterwegs auf der eisigen Elbe Schwierig, aber nicht unmöglich. Hafenfähren fahren auch bei Eis auf der Elbe (2014 / Markus Daams / CC0)

In meinem Artikel „Winter in Hamburg“ aus dem Januar 2025 hatte ich mich noch mit der folgenden Feststellung hervorgetan: „In Hamburg schneit es leider nicht mehr allzu oft, also rechnete ich auch nicht damit.“ Im darauf folgenden Winter wurde ich eines Besseren belehrt und es schneite wochenlang. Die Straßen versanken im Schnee und die Elbe verwandelte sich in ein arktisches Gewässer. Der NDR hat das in der Dokumentation „Eiszeit auf der Elbe: Von Schleppern, Eisbrechern und Barkassen - Die Nordreportage - NDR Doku“ / Youtube / 28,57 min festgehalten. In dem Film ist ebenfalls zu sehen, wie selbst bei diesen Witterungsbedingungen die Fähren den Betrieb weiter aufrecht halten. Denn über die Elbe müssen die Menschen immer rüber, egal bei welchem Wetter.

Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Durch die kalte Winterluft war die Sicht an diesem Tag besonders gut. Die Sonne schien und das Eis auf der Elbe glitzerte wie der Sternenhimmel. Die Elbe war in der Nacht zugefroren und es waren ständig Boote im Einsatz, um das Eis aufzulockern. Die Fähren helfen dabei übrigens mit, einfach, indem sie ihre Runden drehten. So bleibt das Eis locker und treibt mit der Tide Richtung Nordsee. Und wenn es dann so richtig knackig kalt ist, freut man sich, wenn eines der Bügeleisen ankommt und man sich ein wenig aufwärmen kann. Genau daran erinnert mich dieses Foto.

Apropos schwierig

Eine Hafenfähre beim Hafengeburtstag Selbst beim Hafengeburtstag sind die Fähren unterwegs. Das büschen Verkehr stört doch nicht weiter (2017 / Markus Daams / CC0)

Eis macht den Schiffsführern der HADAG nicht so viel Angst. Wie sieht es aber aus, wenn plötzlich um die 300 Schiffe und Boote die Elbe hochkommen und die Elbe in einen maritimen Bienenstock verwandeln? Das scheint ebenfalls nur für ein Schulterzucken zu sorgen – glaube ich jedenfalls.

Jedes Jahr feiert Hamburg seinen „Hafengeburtstag“. Dann kommen Gäste aus aller Welt und begehen diesen Tag zusammen mit der Freien und Hansestadt. Dazu gehört auch immer die traditionelle Einlaufparade. Schiffe und Boote reihen sich auf und laufen in den Hamburger Hafen ein. Dazu gehören Museumsschiffe, Kreuzfahrtschiffe, Schiffe und Boote der Marinen dieser Welt, aber auch Segelschulschiffe, Barkassen und allerhand mehr. Für ein paar Stunden ist dann Hochbetrieb auf der Elbe angesagt. Und die Fähren? Die fahren immer weiter. Die HADAG weist dann pflichtschuldig darauf hin, dass es zu Verspätungen oder sogar Ausfällen aufgrund des Hafengeburtstages kommen kann. Meinen Beobachtungen und Erlebnissen zufolge kommt das aber selten vor. Die Fähren wuseln sich ihren Weg durch den Trubel und bringen trotz der Feierlichkeiten die Menschen von A nach B und von einem Ufer an das andere. Touristen lassen es sich natürlich nicht nehmen, auf den Decks der Fähren die beste Aussicht auf die Parade zu genießen.

Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Einer meiner Lieblingsspots zum Fotografieren war immer das Lüfterbauwerk für den Elbtunnel in Övelgönne. Von hier kann man sehr weit die Elbe herunterschauen und den Beginn der Einlaufparade gut beobachten. Anschließend marschierte ich zügig zum Fähranleger, um noch ein paar Fotos mehr zu machen. An dem Tag, an dem ich dieses Foto geschossen habe, regnete es wie aus Kübeln. Mir sind nur sehr wenige Fotos gelungen. Dieses Foto stach aber heraus, denn gleich 3 Hamburgensien finden sich hier: Das Museumsschiff „Elbe 3“, ein Feuerlöschboot der Feuerwehr Hamburg und eine Fähre der HADAG, die weiter Gäste befördert. Die ganze Szene findet vor den Containerbrücken des Hafens statt. Ein sehr hamburgisches Bild, finde ich.

Für wenn es etwas enger wird

Die Flachfähre Reiherstieg Nicht so zahlreich, aber sehr wichtig. Die Flachfähren in Hamburg (2015 / Markus Daams / CC0)

Bisher habe ich die Typschiffe und die Bügeleisen (Fähre 2000) vorgestellt. Die großen Fähren stellen den Hauptteil der Flotte der HADAG. Neben diesen gibt es aber noch kleinere Fähren, die „Flachschiffe“. Die Bügeleisen kommen nicht über all hin. Dort, wo die Wassertiefe nicht ausreicht oder eine Brücke den Weg verengt, kommen die schmalen Fähren zum Einsatz. Sie haben nicht nur einen geringeren Tiefgang, sondern auch keine herausstehenden Brückenaufbauten. Der Schiffsführer sitzt vorne, mit der besten Sicht, und steuert die Fähre sicher durch den Hafen.

Zwei der flachen Fähren stechen heraus, die „Nala“ und die „Rafiki“. Sie sind nach Charakteren des Disney Films „Der König der Löwen“ benannt. Das Musical zu dem Film wird mitten im Hamburger Hafen aufgeführt. Die Besucher müssen folglich die Elbe überqueren und das passiert wie? Mit der HADAG. Und um „in der Rolle“ zu bleiben, gibt es die beiden Fähren „Nala“ und „Rafiki“.

Neben diesen beiden gibt es noch die beiden Flachschiffe „St. Nikolaus“ und die „Reiherstieg“.

Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Im vorhergehenden Artikel habe ich bereits erwähnt, dass wir Hamburger die Fähren als etwas Selbstverständliches betrachten. Sie sind immer da und gehören zum Stadtbild. Als noch selbstverständlicher habe ich wohl die Flachfähren betrachtet. Ich habe kaum Fotos von ihnen gemacht, weil sie so unglaublich gewöhnlich aussehen. Als ich die Fotos durchsah, sind mir aber auch die Erinnerungen hochgekommen, wie ich einiges an schlechtem Wetter auf den Flachschiffen erlebt habe. Es kann vorkommen, dass diese auf den anderen Linien eingesetzt werden (z.B. als Verstärker oder Ersatz). So bin ich dereinst auf der „Reiherstieg“ gelandet und habe wirklich jede Welle spüren dürfen, die sich zwischen Finkenwerder und den Landungsbrücken eingefunden hatte. Diese Erinnerung kam hoch, als ich dieses Foto wieder entdeckt habe.

Danke, dass es euch gibt

Eine Fähre vor der Hamburger Skyline Fähre, Michel, Rickmer Rickmers und die Landungsbrücken. Einfach Hamborch (2022 / Markus Daams / CC0)

Da sind wir nun beim letzten Foto. Ich habe in den letzten 10 Jahren viele Fotos von den Fähren gemacht. Viele von ihnen mit voller Absicht und viele davon, weil sich irgendwo eine von ihnen ins Bild geschlichen hat. Die Fähren der HADAG fahren von früh bis spät, um die Menschen sicher über die Elbe zu transportieren. Wurde Ende der 1990er Jahre noch ihr Ende diskutiert, sind sie heute nicht mehr wegzudenken. Die Flotte wird ständig erweitert und modernisiert. Die ersten Fähren des Typs „2030“ nehmen ihren Dienst auf. Sie sind nicht nur ein Verkehrsmittel, sondern auch eine Touristenattraktion, oftmals zum Verdruss der einheimischen Süßwassermatrosen.

Bei der Durchsicht der Fotos ist mir aufgefallen, wie viele Erinnerungen ich mit ihnen verbinde. Viele davon hat die Zeit in süße Nostalgie verwandelt. Die rumpeligen alten Typschiffe, bei der man schlechtes Wetter so erleben kann, wie man es bei Feierabend eigentlich gar nicht will. Die ruppigen Anlegemanöver, bei der man die Fähre so hat scheppern hören, dass man den nahenden Werftaufenthalt förmlich riechen konnte. Und natürlich die Touristenmassen an den Landungsbrücken, die einem den bequemsten Weg nach Finkenwerder versperrten. Nicht alle Erinnerungen sind gut, aber die meisten sind es. Die Fähren verbinden nicht nur den Hafen, sie verbinden uns mit Hamburg selbst.

Aber die Fähren und Schiffe der HADAG sind nichts ohne die Menschen, die sie bedienen. Die Schiffsführerinnen und Schiffsführer sind es, die die wichtige Arbeit leisten. Sie legen ab und wieder an, lotsen sich ihren Weg durch den Verkehr auf der Elbe und das bei praktisch jedem nur denkbaren Wetter. Während U- und S-Bahn aufgrund der Wetterlage vielleicht schon den Betrieb eingestellt haben, findet sich immer noch eine Fähre, die stur versucht, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Genau das hat mir sehr oft geholfen, doch noch irgendwie nach Hause zu kommen. Ob Einlaufparade, Eis oder Orkan, die Bügeleisen fuhren.

Da bleibt mir nur noch eins zu sagen: Danke für euren Einsatz. Ohne euch wäre Hamburg nur halb so toll.

Jobs bei der HADAG

Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Ein Bügeleisen im Design eines Containers der Hapag-Lloyd, der Michel, die Rickmer Rickmers, die Landungsbrücken, muss ich noch mehr sagen?

Zum Schluss

So, wir haben angelegt. Das war der zweite Teil meiner Lieblingsfotos rund um die Fähren in Hamburg. Viele meiner Lieblingsfotos finden sich auch auf meinem Profil auf Flickr und auf Pixabay.

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