Lieblingsfotos - Der achte Teil
Ich habe viel fotografiert. Nun stelle ich meine Lieblingsfotos vor.
Die Außenalster
Im siebten Teil meiner Lieblingsfotos ging es um die Binnenalster. Diese klemmt sich majestätisch zwischen der kleinen Alster und der Lombardsbrücke ein. Dahinter folgt dann die Außenalster und um genau die soll es im achten Teil meiner Serie gehen.
Die Außenalster ist etwas ganz Besonderes. Die Alster ist ein Fluss, aber durch die Aufstauung im 13. Jahrhundert hat sie sich zu einem Stausee entwickelt. Das bedeutet nicht, dass sie ein See ist. Sie ist ein - und jetzt kommt es - Fluss mit an dieser Stelle seeähnlichen Eigenschaften. Klingt komisch und ist es auch. Da ihre Fließgeschwindigkeit an der Stelle der Binnen- und Außenalster stark verringert ist, können sich Pflanzen und Tiere ausbreiten, die Flüsse ansonsten meiden. Auch segelt und paddelt es sich dann leichter.
Aber das sind nur Fakten. Die ca. 230 Fußballfelder große Außenalster ist für uns Hamburger vor allem Naherholung, Joggingstrecke, Segelboot-Tummelplatz und vieles mehr. Ein so großes Gewässer im Herzen einer Großstadt ist berechtigterweise eine echte „Hamburgensie“.
Sich mal lang machen
Die Liegewiese vor der Alster ist ein Relax-Hotspot (2016 / Markus Daams / CC0)
Ich hatte das große Glück, für ein paar Jahre in unmittelbarer Nähe der Außenalster zu wohnen. Ich musste nur einmal ums Eck und hatte die ganze Pracht vor mir. Ging ich noch ein paar Meter weiter, fand ich eine kleine Wiese vor mir und hier habe ich viel Zeit verbracht. Hier konnte man liegen, entspannen und sah in aller Regelmäßigkeit die schönsten Sonnen- und Aufgänge, die man sich vorstellen kann. Und weil man all das quasi vor der Haustür hatte, kam es einem selbstverständlich vor. Wie etwas, das man sowieso jeden Tag sehen kann. Mit dem Joggen habe ich hier übrigens auch angefangen, wie viele tausend (oder zehntausende?) andere Menschen auch.
Inzwischen wohne ich nicht mehr ganz so dicht an der Alster, aber immer noch in Kanalnähe, ich habe es nach wie vor nicht weit. Ich weiß es aber viel mehr zu schätzen, was ich vor der Tür habe. Hamburg ist rund um seine Kanäle und den Flüssen unglaublich schön und lebenswert. So etwas lernt man aber erst mit den Jahren zu schätzen.
Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Es war das einzige Mal, dass ich am frühen Morgen die Liegewiese ohne Menschen, ohne Müll und mit blauem Himmel erwischt habe. Das Foto ist aus diesem Grund hochkant. Ich wollte den schönen Kontrast zwischen der grünen Wiese und dem blauen Himmel abbilden.
Mit deinen Türmen hoch und her
(V.l.n.r) St. Petri, St. Nikolai, Rathaus (2013 / Markus Daams / CC0)
Wer einmal um die Außenalster joggen oder gehen will, braucht 7 km und ein paar Zerquetschte. Aber es lohnt sich auf jeden Fall, einmal den Gang um den Pudding zu machen. Am besten packt man sich auch etwas zum Fotografieren ein, denn an Motiven mangelt es wahrlich nicht.
In der Hymne der Stadt heißt es „… mit deinen Türmen hoch und her, hebst du dich schön und lieblich sehr“. Mit den Türmen sind unter anderem die Hauptkirchen gemeint. Irgendwann kam dann noch das Rathaus mit dazu. Das wurde anno dazumal durchaus kontrovers diskutiert, denn zu dieser Zeit galt das Alsterpanorama bereits als sakrosankt. Das monumentale Rathaus wirkte für viele Zeitgenossen zu unhanseatisch und wuchtig, im Vergleich zu den Kirchen. Der Entwurf mit dem Rathaus, wie wir es heute sehen, hat sich aber schlussendlich durchgesetzt und das ist gut so. Es hat seinen Platz im Panorama gefunden.
Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Beim Fotografieren war es mein kleiner Sport, möglichst viele der Hamburger Türme auf ein Bild zu bekommen. Auf der Sichtachse vom Westufer der Außenalster aus gesehen, bekommt man Sankt Petri, Sankt Nikolai und das Rathaus perfekt abgelichtet. Drei der berühmten Hamburger Türme nebeneinander heben sich lieblich sehr.
Alster ohne Dampfer? Undenkbar
Das Alsterpanorama mit Dampfer (2016 / Markus Daams / CC0)
Außer im Winter sind die Alsterdampfer das ganze Jahr über unterwegs. Sie haben ihren festen Platz in den Herzen der Touristen. Für die Hamburger hingegen gehören sie fest zum Panorama. Sie verkehren ab dem Jungfernstieg und fahren diverse Haltestellen an. Einige fahren sogar bis in den Stadtpark und sogar bis Bergedorf.
Die weiße Flotte war aber nicht immer dazu da, der Welt die Schönheit der Stadt von der Wasserseite aus zu zeigen. Bis in die 1970er hinein war sie fester Bestandteil des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV). Man konnte sie also mit der normalen Bahn / Bus / Fähre Karte benutzen. Dies wurde aber mit dem Ausbau der S- und U-Bahn hinfällig und die Flotte wurde in eine Touristenattraktion umgewandelt. Und mal unter uns, wenn man so sieht, was im Sommer auf den Hafenfähren los ist, dann trauere ich dieser Änderung nicht hinterher.
Ein Trip auf den Dampfern lohnt sich aber. Hamburg ist von der Alster und seinen Kanälen aus gesehen etwas ganz Besonderes.
Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Für gewöhnlich ist auf der Alster viel Betrieb und viel Gewusel. Ich hatte an diesem Tag das Glück, eine einzelne Fähre bei perfektem Wetter und mit einem tollen Panorama zu erwischen. Der frühe Vogel fängt das tolle Motiv.
Außenalster pur
Das Alsterpanorama ohne Boote, Schiffe und anderes Gelöt (2013 / Markus Daams / CC0)
Als ich mit der Fotografie so richtig loslegte, habe ich mich darüber informiert, was man denn so alles besitzen sollte. Neben Objektiven waren auch Filter aller Art schwer in Mode. Also habe ich mir ein paar Euro gegriffen und mir einen Satz Polarisationsfilter gegönnt. Diese Filter können bestimmte Teile des Lichts blockieren und andere Teile durchlassen. Ich hatte nicht viel Ahnung davon, das gebe ich zu. Dennoch habe ich damit herumexperimentiert.
Auf einer meiner frühen Fototouren hatte ich großes Glück. Es war früher Morgen, das Wetter war gut und die Temperaturen angenehm. Da war es für mich klar, dass mich der Weg an diesem Tag auch an der Alster vorbeiführen musste. Also habe ich mir meine Kamera geschnappt, meinen brandneuen Polarisationsfilter und einfach „mal draufgehalten“. Ich war von den Ergebnissen begeistert. An diesem einen Tag habe ich viele meiner heutigen Lieblingsfotos geschossen.
Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? An diesem Tag hatte ich nicht nur Glück mit dem Wetter. Als ich bei der Außenalster ankam, war da nichts los. Keine Jogger, keine Touristen, keine Boote, Dampfer, nichts. Ich hatte dieses „und plötzlich, totale Harmonie“ Gefühl. Mir ist ein tolles Foto des Alsterpanoramas gelungen. Dank des Polarisationsfilters war es mir möglich, die Blautöne zu akzentuieren. Wenn das Licht und das Wetter mitspielen, ist da wirklich alles spektakulär blau. Deswegen liebe ich dieses Foto.
Segeln auf einem See, mitten in der Stadt
Ein Segelboot auf der Außenalster, dahinter der Michel (2013 / Markus Daams / CC0)
Ich habe das Segeln nie gelernt. Im südlichen Hamburg lernt man vor allem zwei Dinge: Nicht ertrinken, und wenn man dies sicher beherrscht, paddeln. Im Land der Dove und der Gose Elbe ist kein Platz zum Segeln. Andere hingegen haben das Glück und lernen es. Die Außenalster ist für Segelboote groß genug und daher gehören sie, genau wie die Alsterdampfer, fest zum Panorama. An schönen Tagen wimmelt die Außenalster vor Segelbooten.
Allerdings habe ich mir auch sagen lassen, dass die Außenalster schwer zu „besegeln“ ist. Neben dem dichten Verkehr sind es schwer berechenbare Winde, die einem alles abverlangen. Wem das zu viel ist, der kann auf einem Tretboot anheuern.
Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Ich wollte ein schönes Foto vom Michel machen und das mit der Außenalster davor. Mit einer Superzoom-Kamera und einem geeigneten Standort bekommt man das hin. Dann schob sich das Segelboot ins Bild. Mein erster Gedanke war, einfach zu warten, bis es vorbei gesegelt ist. Mein zweiter Gedanke war, dass Segelboote zur Alster gehören wie die Alsterfontäne. Also habe ich gleich alle drei auf das Foto gebannt.
Geht es noch Hamburger?
Die Susebek auf der Außenalster, vor dem Rathaus (2014 / Markus Daams / CC0)
Im ersten Teil meiner Lieblingsfotos hatte ich bereits beschrieben, was einer der Beweggründe war, warum ich mit der Fotografie angefangen hatte. Ich wollte tolle Bilder der Stadt für möglichst viele Menschen verfügbar machen, da zu dieser Zeit jedes Foto, das ich toll fand, unter Copyright vergraben wurde.
Mit dieser Intention im Kopf habe ich immer wieder versucht, Fotos zu schießen, die so Hamburg sind, dass es Hamburger nicht geht. Ganz richtig, ich benutze den Namen der Stadt als Superlativ. Also habe ich immer wieder versucht, so viele typisch Hamburgische Dinge wie möglich auf ein Foto zu bekommen. Das braucht die richtige Perspektive und vor allem Geduld. Denn Alsterdampfer warten nicht, bis alle ihr perfektes Foto geschossen haben. Das Rathaus ist da schon gnädiger und bewegt sich wenig bis gar nicht. Bei der Fotografie ist die Kontinentaldrift tatsächlich vernachlässigbar, was toll ist.
Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Dieses Foto gehört zu meinen All-time-Favoriten. Ich habe hier einen perfekten Moment erwischt, um drei echte Hamburgensien auf ein Foto zu bekommen. Die „Susebek“, ein Alsterdampfer, das Rathaus und die Außenalster. Dieses Foto steht sinnbildlich für mein Projekt: Hamburger geht es nicht.
Zum Schluss
Genau wie mit der Binnenalster, verbinde ich viele schöne Erinnerungen mit der Außenalster. Zu oft habe ich sie als alltäglich abgetan. Dank der Fotos weiß ich die vielen schönen Erinnerungen, die ich habe, viel mehr zu schätzen. Dieser Fluss, mit den an dieser Stelle seeähnlichen Eigenschaften, ist nicht nur im Herzen von Hamburg, es ist das Herz von Hamburg. Danke fürs Aufstauen, liebe Leute des 13. Jahrhunderts.
Noch ein Hinweis: Viele meiner Lieblingsfotos finden sich auch auf meinem Profil auf Flickr und auf Pixabay. Einige davon werde ich in diesem Blog zukünftig vorstellen.
