Lieblingsfotos - Der siebte Teil
Ich habe viel fotografiert. Nun stelle ich meine Lieblingsfotos vor.
Die Binnenalster
Man stelle sich vor, ein Stausee ist so schön, dass man hier sein Geschäft betreiben will. Das Hamburger Luxushotel ‚Vier Jahreszeiten‘, die ‚Hapag-Lloyd‘, die ‚Europa Passage‘ dachten sich genau das und ließen sich hier nieder. Touristen schießen Millionen von Fotos und unternehmen von hier aus Ausflugsfahrten.
Was macht einen kleinen See so besonders? Einiges und für mich noch ein kleines bisschen mehr.
Ich hatte das große Glück, eine Zeit lang in der Nähe der Alster wohnen zu dürfen. Der sehr quirlige Stadtteil St. Georg lehnt sich an das Alsterufer an. Ich brauchte nur 2 Minuten zu Fuß, um an die Alster zu kommen. Meine große Liebe zum Sport habe ich hier entdeckt, indem ich viele Runden um die Außenalster gelaufen bin. Apropos große Liebe, mit ihr habe ich hier so einige unvergessliche Momente gesammelt. Selbst das Millennium (der Jahreswechsel von 1999 auf 2000) habe ich an der Binnenalster gefeiert. Wurde es kalt genug, haben wir auf der Alster das Eisvergnügen gefeiert. Ich habe viele schöne Erinnerungen mit, auf und neben der Alster sammeln dürfen. Daneben habe ich viele Fotos von ihr gemacht.
Daher verdient die Binnenalster einen eigenen Artikel in meiner Lieblingsfotos Artikel Reihe.
… ist ein Fluss, ist ein See - beides
Die Alster hat eine besondere Bedeutung für Hamburg. Sie ist ca. 56 km lang und entspringt in Henstedt-Ulzburg. Sie ist offiziell nur ein „Nebenarm“ der Elbe, aber so eine Bezeichnung wird ihr nicht gerecht. Nicht umsonst behauptet der ein oder andere Hamburger von sich, dass er „Alsterwasser“ im Blut hat. Sie ist sogar so bedeutend, dass ein Alster Verein das Grundstück mit der Quelle im Jahre 1906 gekauft hat und im Jahre 1940 die Stadt Hamburg die Besitzerin wurde. Man sitzt nun also nicht nur an, sondern auch auf der Quelle (badum tsss).
Vor allem Touristen wird auffallen, dass die Alster gar nicht aussieht, wie ein Fluss. Steigt man am Jungfernstieg aus und stellt sich an das Ufer, sieht man hier vor allem eines: Einen See! Und es stimmt, die Alster ist an dieser Stelle ihres Flusslaufes tatsächlich ein See. Um genauer zu sein, ein Stausee. Im 13. Jahrhundert kam man auf die Idee, die Alster aufzustauen um damit eine, später mehrere Mühlen anzutreiben. Da die Stadt zu dieser Zeit wesentlich kleine war, konnte man die Alsterwiesen zu dieser Zeit beruhigt überfluten. Als im 17. Jahrhundert die neuen und sehr mächtigen Wallanlagen gebaut wurden, wurde die Binnenalster von der Außenalster abgetrennt. Heute wird diese Grenze durch die Lombardsbrücke und Kennedybrücke gebildet. Auf diesem Wege konnte man auch den Flutschutz sicherstellen.
Heute bildet die Alsterschleuse die Barriere. Diese sorgt dafür, dass die Alster und alle verbundenen Kanäle den Pegel halten. Die Pumpe ist so stark, dass sie dies sogar bei einer Sturmflut und bei Starkregen zuverlässig leisten kann. Denn zwei Dinge dürfen nie passieren: Die Alster darf nicht über die Ufer treten, sonst gehen Teile der Innenstadt unter. Außerdem darf sie nicht leer laufen, denn dann stinkt die Stadt so bestialisch wie niemals, oder sagen wir besser selten zuvor. Aber so weit wird es – hoffentlich – niemals kommen.
Ob ein Fluss mit „seeähnlichen Eigenschaften“ oder ein See, der auch ein Fluss ist, die Alster ist eine echte Hamburgensie.
Jungfernstieg
Die Binnenalster mit Blick auf den Jungfernstieg und dem Michel (2022 / Markus Daams / CC0)
Die berühmteste Straße an der Binnenalster ist sicherlich der Jungfernstieg. Dieser liegt am südwestlichen Ufer und trennt diese von der ‚kleinen Alster‘ ab. Wer einen Spaziergang um die Binnenalster machen möchte, hat von hier aus einen tollen Startpunkt. Denn hier fahren nicht nur U- und S-Bahn an und ab, hier gibt es auch eine schicke Flaniermeile. Wer einen Laden auf dem Jungfernstieg hat, kann zurecht damit angeben.
Aber der Jungfernstieg dient auch als Hafen für die ‚weiße Flotte‘, eine Sammlung kleiner Dampfer der Alster Touristik. Die Boote sind größtenteils in den Farben der Stadt gehalten, Rot und Weiß und daher unverkennbar. Mit ihnen kann man Hamburg von der Wasserseite aus erkunden, denn sie befahren zahlreiche Kanäle, die mit der Alster verbunden sind. Die Ausflugsfahrten reichen bis in den Stadtpark, und sogar bis nach Bergedorf.
Da habe ich es mir nicht nehmen lassen, dieses Motiv zu fotografieren. Die Alsterdampfer sind ebenfalls eine Hamburgensie und gehören fest in das Stadtbild.
Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Für dieses Foto hatte ich mich früh auf den Weg gemacht. Denn zur richtigen Jahreszeit und bei Sonnenaufgang wird die schicke Fassade vom Jungfernstieg von unserem geschätzten Zentralgestirn direkt angestrahlt. Dazu sind die Alsterdampfer zu sehen und dahinter wacht der Michel über alles. Ein tolles Motiv und grandiose Lichtverhältnisse. Es braucht nicht viel, um mich zu begeistern.
Alles auf einen Blick
Der Alsterdampfer ‘Eilbek’, dahinter der Fernsehturm (2020 / Markus Daams / CC0)
Hat man als Tourist nicht viel Zeit und möchte so viele Hamburger Originale wie möglich und zur selben Zeit fotografieren, so empfehle ich die Binnenalster. Um sie herum sind so einige Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Neben dem Michel kann man auch den Fernsehturm und die sehr hübsche Fassade des Hotels ‚Vier Jahreszeiten‘ sehen. Besonders im Frühling und Sommer lohnt es sich hier spazieren zu gehen. Die Binnenalster ist, so weit dies möglich ist, rundherum begrünt.
Grün sind auch die Dächer der Gebäude rund um die Binnenalster. Das ist Teil der Binnenalsterverordnung. Diese sieht vor, dass Gebäude, die sich direkt an der Binnenalster befinden, bestimmte bauliche Merkmale aufweisen müssen, darunter die von Grünspan geschmückten Dächer. Das soll dafür sorgen, dass das einheitliche und zugegebenermaßen sehr schöne Gesamtbild der Binnenalster erhalten bleibt und das hoffentlich noch sehr lang.
Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Ich wohne im Stadtteil Eilbek. Dieser wurde nach dem kleinen Fluss benannt, der durch dieses hübsche Fleckchen Erde fließt, der heutige Eilbekkanal. Einer der Alsterdampfer ist nach diesem Fluss benannt und daher habe ich aus rein sentimentalen Gründen jede Chance genutzt, die ‚Eilbek‘ abzulichten. Auf diesem Foto liegt sie passend mit ihrer Breitseite vor der Fassade des Hotels ‚Vier Jahreszeiten‘ und dahinter ist der Fernsehturm zu sehen. Für mich war und ist das einfach hübsch anzusehen.
Flieg, Wasser, flieg!
Die Alsterfontäne (2015 / Markus Daams / CC0)
Einfach nur ein 0,4 km² großer Stausee, das kann so nicht bleiben! Das muss den Leuten durch den Kopf gegangen sein, die mit der Idee um die Ecke kamen, das Wasser der Binnenalster 60 Meter in die Luft zu schießen.
Die Alsterfontäne ist wie jede Fontäne, die man so, oder so ähnlich auf der Welt entdecken kann. Sie ist folglich keine echte Hamburgensie. Dennoch gehört sie fest zum Stadtbild dazu, jedenfalls zeitweise. Da die Binnenalster ab und zu mal zufriert, ist die Fontäne nur in den warmen Monaten aktiv. In den kalten Monaten wird sie ausgeschaltet und ein hübsch beleuchteter Weihnachtsbaum nimmt ihren Platz ein. Der Betrieb und der Unterhalt der Fontäne wird von privaten Finanziers sichergestellt.
Zudem leistet die Fontäne einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz. Sie sorgt dafür, dass das recht stille Gewässer der Binnenalster mit Sauerstoff versorgt wird, was die allgemeine Wasserqualität verbessert hat. Außerdem spritzt sie die Touristen nass, die auf dem ‚Alster Cabrio‘ unterwegs sind, einem Alsterdampfer ohne Dach. Das nützt dem Umweltschutz nicht viel, ist aber lustig anzuschauen.
Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Ich habe die Alsterfontäne nie viel fotografiert. Für mich war sie wohl zu alltäglich, als dass sie etwas Besonderes war. Zudem fiel es mir immer wieder schwer, sie richtig aufs Bild zu kriegen. Wehte der Wind zu stark, streute die Fontäne zu weit. War das Licht nicht gut, hatte ich Schwierigkeiten, den richtigen Fokus zu finden. War es zu kalt, war sie nicht da. Kurz um, für mich war sie immer eine Diva. Auf diesem Foto aber passte alles. Die Fontäne sah – wie drücke ist das aus – ‚fontänig‘ genug aus, das Motiv mit dem Jungfernstieg und den Alsterdampfern stimmte und das Licht reichte noch aus. Hab dich, Diva!
Freut sich der Baum, freut sich der Mensch
Die Binnenalster Ecke Neuer Jungfernstieg (2020 / Markus Daams / CC0)
Unterhalb der Lombardsbrücke gibt es eine schöne begrünte Uferpromenade. Diese wurde erst kürzlich auf Vordermann gebracht. Dort kann man spazieren gehen, sich auf eine der Bänke setzten und einfach die grandiose Aussicht genießen. Von dort aus hat man den direkten Blick auf die Binnenalster, die Neu- und Altstadt und kann einfach nur … hach, entspannen.
Die Lombardsbrücke knickt hier in den Neuen Jungfernstieg ein. An dieser sehr exklusiven Adresse befindet sich unter anderem das bereits erwähnte Hotel ‚Vier Jahreszeiten‘. Wer hier absteigt, hat eine der schönsten Ecken Hamburgs direkt vor der Tür. Am Ende der Straße wartet dann der Jungfernstieg.
Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Es wird viel Mühe darauf verwendet, die Wege rund um die Binnenalster wieder mehr zu begrünen. Dazu gehören Bäume, wie man sehen kann, und vermehrt auch Blumen, wie man besonders im Frühling am Ufer des Ballindamm sehen kann. Ursprünglich waren die Wege um die Alster noch sehr viel grüner. Noch im 18. Jahrhundert waren hier kleine Park-Wege zu finden und keine Straßen für Autos. Die Straßen werden wohl noch eine Weile bleiben, aber das Grün erobert sich seinen Platz langsam zurück. Auf diesem Foto habe ich versucht, so viel Grün wie möglich draufzukriegen. Hat geklappt, finde ich.
Ballindamm
Die Binnenalster vom Ballindamm aus gesehen (2022 / Markus Daams / CC0)
Albert Ballin hat eine ganz besondere Bedeutung für Hamburg. Er hat nicht nur die ‚Hapag-Lloyd‘ zur damals größten Reederei der Welt gemacht, ihm haben auch viele Auswanderer die Möglichkeit zu verdanken, in der „Neuen Welt“ ein neues Leben anfangen zu können. Von seinem Wirken in Hamburg mal ganz abgesehen. Es versteht sich von selbst, dass man diesen Mann würdigen wollte und so wurde der einstige Alsterdamm in den heutigen Ballindamm umbenannt.
Wer auf dem Ballindamm spazieren geht, mag folgenden Fakt vielleicht interessant finden. Nach dem fürchterlichen Brand von 1842 wurde der Alsterdamm mit dem Brandschutt aufgeschüttet, der nach der Feuersbrunst anfiel. Die Binnenalster wurde so ein wenig kleiner, aber eine neue Verbindung zwischen Jungfernstieg und Glockengießerwall war geboren.
Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Ich weiß nicht warum, aber aus irgendeinem Grund habe ich eine Lieblingsseite der Binnenalster und das ist der Ballindamm. Ich finde den Weg hier am entspanntesten und die Aussicht am schönsten. Ich kann aber nicht erklären, warum das so ist. Als ich eines Tages mal wieder den Ballindamm entlang ging, sah ich die Lampions in den Baumkronen und habe diesen Schnappschuss gemacht. Ein schönes Foto der Schokoladenseite der Binnenalster – meine Meinung.
Die Einmalige unter den Einmaligen
Der Alsterdampfer ‘St. Georg’ vor der Alsterfontäne (2015 / Markus Daams / CC0)
Es gibt einen Alsterdampfer, der ein wenig aus der Reihe fällt. Gemeint ist die ‚St. Georg’, die sich damit rühmen darf, das älteste noch fahrtüchtige Dampfschiff Deutschlands zu sein. Seit 1867, also noch vor der Gründung Deutschlands und einigen Namenswechseln (erst ‚Falke‘, dann ‚Galatea‘) später, zieht sie ihre Kreise auf der Alster und den Kanälen. Sie ist nicht, wie die anderen Dampfer, in den Farben der Stadt gehalten, sondern in Schwarz und Weiß. Man erkenn sie direkt an der weißen Rauchfahne, die aus ihrem kleinen Schornstein kommt.
Mit ihren Eigenschaften hat sich die ‚St. Georg’ zurecht die Bezeichnung Hamburgensie verdient.
Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Ich habe die ‚St. Georg’ immer wieder fotografiert. Sie ist einfach hübsch anzusehen und sticht selbst aus der einmaligen Alsterflotte deutlich heraus. Irgendwann sah ich sie vom Jungfernstieg losmachen und wartete geduldig, bis sie sich vor die Alsterfontäne schob. Dahinter positionierte sich der Kirchturm von ‚Sankt Petri‘. Dieses Foto war für mich ein Glücksschnappschuss.
Postkartenmotiv
Die Binnenalster beim Sonnenuntergang (2019 / Markus Daams / CC0)
Müsste ich raten, was die am häufigsten in Hamburg fotografierten Motive sind, würde sich die Binnenalster locker unter die Top 3 schieben. Wer auf der Lombardsbrücke steht, wird mit einer einmaligen Aussicht belohnt. Man schaut hier auf den Jungfernstieg, sieht die Spitze des Rathauses, sieht die Kirchtürme der Hauptkirchen, darunter natürlich auch den Michel. Selbst die Elbphilharmonie ist zu sehen. Rund um die und auf der Binnenalster versammelt sich so einiges, was Hamburg so einzigartig macht.
Dabei ist es ein Wunder, dass es sie noch gibt. Es gab immer wieder Ideen, sie zuzuschütten. Für den Kaiser wurde einst sogar eine künstliche Insel angelegt. Selbst eine Autobahn wollte man über sie bauen. Es gibt sie aber immer noch und darüber bin ich sehr froh. Hamburg ist eine der ganz wenigen Städte der Welt, die sich einen Binnensee so nahe am ursprünglichen Stadtkern erschaffen und erhalten haben. Es versteht sich von selbst, dass ich viele Fotos von der Alster gemacht habe, in all ihren Erscheinungsformen.
Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Dieses spezielle Foto ist nicht sehr gelungen. Ich erinnere mich aber noch sehr genau an den Tag. Ich ging an der Alster entlang und entschied mich zum Schluss, der alten Zeiten Willen noch einmal um die Binnenalster zu gehen. Das Wetter war perfekt, es war weder zu heiß noch zu kalt, einfach genau richtig. Die Sonne ging langsam unter und es war auf der Lombardsbrücke gerade nicht viel los, ein echter „gerade ist alles perfekt“ Moment. Daher hatte ich die Kamera noch einmal herausgeholt. Ich habe nicht so sehr die Binnenalste fotografiert, sondern versucht, diesen Moment festzuhalten.
Zum Schluss
Hier ist mein kleiner Rundgang um die Binnenalster zu Ende. Die Fotos haben viel schöne Erinnerungen hervorgeholt, daher hat es sich auf jeden Fall gelohnt. Ich werde in einem zukünftigen Artikel die Außenalster ebenfalls vorstellen.
Noch ein Hinweis: Viele meiner Lieblingsfotos finden sich auch auf meinem Profil auf Flickr und auf Pixabay. Einige davon werde ich in diesem Blog zukünftig vorstellen.
