Filme, die man gesehen und gehört haben muss
Musik ist toll. Filme sind toll. Und beides zusammen suptertoll, oder?
Musik und Film, eine Powerkombi
Ich liebe Filme und ich liebe Musik. So geht es vermutlich sehr vielen Menschen. Aus Gründen, die ich mir bis heute nicht erklären kann, habe ich einen sehr, sehr breiten Musikgeschmack. In meinen Playlists finden sich Metal, Rock, Trance, Elektro, Pop (mit vieeeel Synth Pop), Folk, Country und selbst pagane Musik. Auf eine Neil Diamond Song kann also einer von Stone Sour folgen und danach einer von den Turnpike Troubadours und zum Nachtisch CHVRCHES. Mein Musikgeschmack ist für jeden Algorithmus der Endgegner. Ähnlich ausgeprägt ist meine Vorliebe für Filme und Serien. Ich schrecke vor fast keinem Genre zurück und arbeite mich gerne zurück in die Vergangenheit, um die eine oder andere Perle zu finden.
Wenn aber beide Medien aufeinander treffen, dann wird es richtig interessant für mich. Filme über Bands, Künstler oder Musik allgemein finde ich ungeheuer interessant. Es ist sehr erfreulich, dass sich das Genre der Biopics über Künstler steter und sogar steigender Beliebtheit erfreut.
Diesen Artikel will ich daher zum Anlass nehmen, einige meiner Lieblingsfilme vorzustellen. Ich habe mich dazu entschieden, sie nicht zu bewerten. Sowohl Film als auch Musik sind am Ende eine sehr subjektive Erfahrung – finde ich.
Aber genug der Worte, legen wir los.
Walk the Line (2005)
Ich hatte die verschiedensten Phasen, was Musik angeht. Natürlich gesellte sich dazu dann auch eine Johnny Cash Phase. Der Film Walk the Line zeichnet die Karriere einer amerikanischen Ikone nach. Das Leben von Johnny Cash ist eine wilde Achterbahn und daher schwer zu verfilmen. Als kurzer Spoiler vorweg, der Film vom Regisseur James Mangold scheitert auch genau daran. Und dennoch ist es ein guter und unterhaltsamer Film.
Ich habe ihn damals im Kino gesehen. Um das Publikum einzustimmen, startet der Filme mit einem der berühmtesten Konzerte, die Johnny Cash je gegeben hat – ein Auftritt im mehr berüchtigten denn berühmten Folsom Prison Gefängnis. Dieses Konzert hat es nicht nur auf eine Platte geschafft, es wurde zu einem Comeback eines unvergleichbaren Country Stars. Die berühmten „Men in Black“ – das Ensemble um Johnny Cash – haben kein Publikum gescheut.
Johnny Cash wird von Joaquin Phoenix gespielt und June Carter von Reese Witherspoon. Beide singen viele der ikonischen Songs selbst. Wer sich also auf „Ring of Fire“, „Walk the Line“ und „Folsom Prison Blues“ freut, wird nicht enttäuscht werden. Joaquin Phoenix spielt das Vorbild sehr authentisch, wie ich finde. Johnny Cash war berühmt dafür, die Gitarre fast wie ein Gewehr zu halten, welches er immer wieder in Richtung Publikum hielt. Country Music war für ihn nicht nur das Besingen der „guten alten Zeit“, sondern Ausdruck von Kritik an sozialer Ungerechtigkeit, tiefem Glauben und inniger Liebe.
Der Film wurde viel kritisiert und das oftmals auch zurecht. Er kann sich nicht entscheiden, ob er Johnny Cash als tragisches Opfer der Umstände zeigen will, oder als ambitionierten Star, der ab und zu mal hingefallen ist. Die Dynamik zwischen Johnny und June fängt er ebenfalls nur unzureichend ein. Eine Karriere wie die von Johnny Cash lässt sich nicht auf 2 Stunden Laufzeit eindampfen. Kommt dann noch eine June Carter dazu, die ebenfalls eine tolle Karriere hatte und aus einer berühmten Familie stammte, wird es … chaotisch. Dennoch mag ich den Film, denn trotz seiner Schwächen ist er unterhaltsam, vor allem Dank seines Casts und ganz besonders wegen seines Soundtracks.
Crazy Heart (2009)
Bleiben wir noch ein wenig in der Welt der Country Music. Sie ist ein steter Quell tragischer Storys und wenn die Realität nicht ausreicht, erfindet man einfach eine. In „Crazy Heart“ geht es um das Leben von Bad Blake. Seine großen Zeiten sind längst vorbei und er tingelt durch Bars und Bowling Bahnen um seine einst größten Songs zum Besten zu geben. Er hat sich und seine Karriere ans bittere Ende gesoffen, als er die Chance erhält, mit dem einstigen Lehrling und inzwischen zum Superstar gereiften Tommy Sweet aufzutreten. Kompliziert wird es dann, als er sich in die 20 Jahre jüngere Journalistin und Single Mom Jean Craddock verliebt.
Auf diesen Film bin ich erst sehr spät aufmerksam geworden, er ist schlicht an mir vorbeigegangen. Ein Glück ist er aber doch noch auf meinem Radar erschienen. Bad Blake wird von Jeff Bridges gespielt und diese Besetzung passt wie der Cowboy aufs Pferd. Ursprünglich sollte der Film als „Direct to DVD“ produziert werden, aber das Regiedebüt von Scott Cooper hat sich in den Kinos als so erfolgreich erweisen, dass es zwei Golden Globes und noch zwei Oscars abräumte, mit Jeff Bridges als bester Schauspieler. Völlig zurecht, wie ich finde.
Der Film strotzt nur so vor Klischees aus der Country Music Welt. Loser sind toll, solange sie sich an einem Comeback probieren und Alkohol ist cool, solange das Comeback auch gelingt. Und trotzdem funktioniert der Film auf allen Ebenen, was an Jeff Bridges liegt, der vermutlich sogar eine glaubwürdige Disney Prinzessin spielen könnte, soviel Gravitas hat er. Seine „Gegenspielerin“ Maggie Gyllenhaal als Jean Craddock kann aber hervorragend mithalten. Die Dynamik zwischen den beiden wirkt authentisch und trägt diesen Film über die gesamte Länge. In Countrysongs ist die Welt selten schön, aber kann es werden, wenn man sich anstrengt. Crazy Heart ist ein solcher Countrysong als Film.
Dieser Film lebt natürlich von seiner Musik. Alle Songs sind richtg gut geschrieben und vertont. Jeff Bridges ist der Country Star, den die Welt nie hatte, aber wohl gerne gehabt hätte. Wer Country Music mag, sollte sich diesem Film unbedingt ansehen.
CODA (2021)
Die Geschichte dieses Films beginnt mit richtig schlechtem Marketing. Im Jahr 2014 erscheint der französische Film La famille Bélier (Verstehen Sie die Béliers?). Er erzählt die Geschichte einer Gehörlosenfamilie, welche auf die Hilfe der einzigen Tochter angewiesen ist, die hören kann. Als diese eines Tages die Chance erhält, ihren großen Traum von einer Gesangskarriere war zu machen und ein Stipendium für eine Gesangsschule in Paris erhält, wird es kompliziert. Da dieser Film kein sehr großes Marketingbudget hatte, ist er sowohl in Europa, als auch im Rest der Welt nicht viel beachtet worden. So geht es leider sehr vielen Produktionen aus Europa.
Mit CODA wurde die Geschichte für ein amerikanisches Publikum neu verfilmt. Die Story ist dieselbe. Das Akronym CODA steht für „child of deaf adult“, also Kind von Gehörlosen. Emilia Jones spielt die 17-jährige Ruby, die im Fischereibetrieb ihrer gehörlosen Familie mit anpacken muss. Sie übernimmt folglich die Kommunikation mit dem Rest der Welt. Ruby singt aber auch sehr gerne und als sie eines Tages an den Gesangslehrer Bernardo gerät, entsteht in ihr der Wunsch, eine Gesangskarriere zu starten. Dass die Familie hier nicht mitziehen kann, versteht sich von selbst und die Konflikte beginnen.
Dieses Filmdrama erhielt drei Oscars, darunter „bester Film“. Wer den Film gesehen hat, versteht auch warum. Nicht umsonst ist er einer der Flaggschiffe von Apple TV. Der gesamte Cast macht hier einen grandiosen Job. Emilia Jones hätte – meiner Meinung nach – den Oscar für die beste Schauspielerin durchaus verdient. Ich hatte durch die Oscars bereits eine hohe Erwartung an den Film, welche voll und ganz erfüllt wurden. Man leidet mit Ruby, man leidet mit der Familie und freut sich über ein passendes wie rührendes Ende. Wie Musik auf gehörlose Menschen wirkt, kann man nur erahnen. Dieser Film versucht es aber auf sehr bewegende Art und Weise nachzuvollziehen. Die Gesangseinlagen sind mitreißend und wo sie das Herz treffen sollen, tun sie es zielgenau. Wer Musik und Filme mag, muss CODA gesehen haben.
Bedauerlich ist nur, dass es das französische Original niemals zum selben Ruhm gebracht hat. In Europa werden tolle Filme produziert, aber Marketing können wir hier anscheinend nicht.
Bohemian Rhapsody (2018)
Meine erste CD mit Rock Musik war „Queen – Live in Budapest“. Ich habe sie rauf und runter gehört, jahrelang. Irgendwann besaß ich alle CDs von Queen und dazu die der kurzen Solokarriere von Freddie Mercury. Als ich eines Tages erfahren habe, dass die Story von Queen verfilmt werden sollte, war ich davon überzeugt, dass das nicht möglich ist. Man, lag ich falsch. Zum Glück.
Bohemian Rhapsody erzählt die Geschichte vom Anfang und tragischen Ende der Band Queen mit ihrem Lead Singer Freddie Mercury. Eine Rockgruppe namens „Smile“ ist auf der Suche nach einem neuen Sänger und trifft auf Farrokh Bulsara der sich später Freddie Mercury nennt. Dieser will aber nicht nur singen, sondern wie ein Komet durch die Welt der Rockmusik rauschen. Es entstehen einige der spektakulärsten Songs der Musikgeschichte, die bis heute bestand haben und wohl einfach nicht altern können. Ob „We will rock you“, „Another one bites the dust“ oder „We are the Champions“, ich wette, jeder Mensch der Welt hat mindestens einmal in seinem Leben einen Song von Queen gehört.
Freddie Mercury wird von Rami Malek gespielt und er macht das so gut, dass das nicht nur mit einem Oscar als bester Darsteller gewürdigt wurde. Als Fan von Queen ist man vor allem dafür dankbar, dass er sich mit dem Leben einer solch einmaligen Person so intensiv auseinandergesetzt hat. Das Leben von Freddie Mercury ist eine einzige Aneinanderreihung von Tragik und Drama. Dazwischen funkelte aber stets sein ungeheuer großes Talent und viel Liebe für die Musik auf. Er hat die meisten der Songs nicht nur selbst geschrieben, er hat sie produziert und mit einer bis heute absolut einmaligen Stimme vertont – etwas, das kaum noch ein Künstler in dieser Liga hinbekommt. Rami Malek ist dem gerecht geworden, so viel sei verraten. Ein weiteres Highlight ist für mich Gwilym Lee, der Brian May spielt. Ich hatte während des gesamten Films das Gefühl, das da ein jüngerer Klon von Brian May unterwegs war.
Nach vier Oscars und der bis heute (2026) erfolgreichsten Filmbiografie lässt sich nur eines sagen, dass der Film es geschafft hat, Queen so einzufangen, wie die meisten Fans die Band im Kopf, ihrem Herzen und ihren Erinnerungen haben. Wer sich einmal den Site-bei-Site-Vergleich des berühmten kurzen Konzerts von Queen beim Live Aid von 1985 anschaut, merkt, dass man Queen nicht nur nacherzählen wollte. Der Film ist eine einzige Hommage an eine der prägendsten Rockbands aller Zeiten. Bohemian Rhapsody ist die Benchmark für musikalische Biopics.
Wer Musik liebt, wird weite Teile des Films im Stehen gucken.
A Star is born (2018)
Kehren wir noch einmal zurück in die Welt der Countrysongs. Wenn man die fiktive Story eines Country Stars verfilmen kann, ist man bei der Erzählung freier unterwegs. A Star is born ist ein Film von Bradley Cooper (man kennt ihn unter anderem aus Hangover), der auch gleich die Hauptrolle mich sich selbst besetzt hat. Die zweite Hauptrolle wird von keiner geringeren als Lady Gaga besetzt. Hier ist wirklich Musik im Film.
Die Handlung dreht sich um Jackson Maine, einem Country Star, der hinter seiner schillernden Fassade an Einsamkeit leidet und diese versucht mit Alkohol zu töten. Dazu leidet er an einem Tinnitus und nachlassenden Gehör. Sein Leben hellt sich auf, als er auf einem Parkplatz Ally Campana (Lady Gaga) kennenlernt. Er bemerkt ihr Talent und beschließt, dieses zu fördern. Es passiert, was passieren muss und beide verlieben sich ineinander. Ally Campana wird zum Star und heiratet Jackson Maine. Dieser nimmt den Kampf gegen seine Dämonen auf. Das Ende kann jeder Country Music Fan erahnen.
A Star is born ist ein klassisches Musikdrama und geht echt ans Herz. Das liegt vor allem an Lady Gaga, die diesen Film mit ihrem Talent und ihrer einmaligen Stimme enorm bereichert. Der Song „Shallow“ schaffte es nicht nur zur Top 1 ein vielen Ländern, er räumte auch gleich noch den Oscar für den besten Filmsong ab. Ich persönliche finde zudem, dass Bradley Cooper den typischen Country Star mit den üblichen und vielen Ecken und Kanten gut verkörpert. Die Harmonie zwischen den beiden stimmt und macht diesen Film lebendig.
Dieser Film ist wie die Lyrics eines dritten Songs auf einem Country Album. Er fängt toll an, aber die Gewitterwolken sind nicht weit weg.
Song Sung Blue (2025)
Was tut man, wenn der Künstler, den man verfilmen will, so ungeheuer groß ist, dass das Scheitern vorprogrammiert ist? Man verfilmt die Cover Band. Der Film Song Sung Blue ist nach einem Song von Neil Diamond benannt. Wer den nicht kennt, hat vermutlich nie was von Musik mitbekommen. Alleine die All-time Greatest Hits (Deluxe) von Neil Diamond ist mit 42 Songs bestückt. Sein Gesamtwerk ist riesig, sein Erfolg legendär. „Sweet Caroline“ dürfte es in die Nominierung zum offiziellen Soundtrack des Planeten Erde schaffen, da lege ich mich fest.
Erzählt wird die wahre Geschichte von Mike Sardina (gespielt von Hugh Jackman), einem Vietnam Veteran und trockenen Alkoholiker, der sich als Gesangsimitator sein Geld verdient. Eines Tages trifft er auf Claire Cartwright (gespielt von Kate Hudson), welche sich als Patsy Cline Imitatorin verdingt (Hallo Country Music). Beide verlieben sich ineinander und beschließen nicht nur zu heiraten, sondern die einzig wahre „Neil Diamond Experience“ (Thunder & Lightning ) zu gründen. Durch einen Unfall verliert Claire Cartwright nicht nur ein Bein, sondern auch den Lebensmut. Es entwickelt sich eine harte Belastungsprobe für die Patchwork-Familie.
Song Sung Blue kam in den Kritiken leider nicht gut weg. Bemängelt wird unter anderem, dass der Film sich nicht entscheiden kann, was für eine Sorte Drama er sein möchte – Comeback Story oder „versucht und gescheitert“. Ich kann das durchaus nachvollziehen, sehe es aber nicht so. Der Film zeigt zwei Biografien in all ihrer Tragik. Das Leben verläuft nicht nach Drehbuch.
Hugh Jackman spielt den traumatisierten, aber immer noch optimistischen Veteran und Musiker mit so viel Hingabe, dass man ihm die Rolle zu jeder Zeit abnimmt. Kate Hudson steht dem in nichts nach. Dazu kommt der Soundtrack von Neil Diamond. Wer bei „Soolaimon“, „Crunchy Granola Suite“ und „Forever in Blue Jeans“ nicht mit mindestens einem Körperteil mitwippt, muss vollständig eingefroren sein. Song Sung Blue ist für mich von Anfang bis Ende ein toller Musikfilm, der im Gedächtnis und Ohr bleibt.
Fazit
Ich hätte hier noch mehr Filme aufzählen können. Beim Schreiben des Artikels ist mir aufgefallen, wie viele Musikfilme ich kenne und mag. Ich bin zudem sehr milde mit meiner Kritik, wenn es um solche Filme geht. Musik spielt eine enorm wichtige Rolle in meinem Leben. Sie hat unmittelbaren Einfluss auf meine Stimmung und ist verknüpft mit sehr vielen Erinnerungen, seit ich denken kann.
Country Strong ist einer der Filme, die ich nicht aufgeführt habe. Ich fand ihn nicht schlecht, aber die Liste ist bereits sehr Country-lastig. Den Film über Michael Jackson habe ich noch nicht gesehen und der über die Backstreet Boys wurde noch gar nicht gedreht. Das bedeutet also, dass ich diese Liste irgendwann einmal fortsetzen muss.
Musik und Film passen zusammen wie warmer Apfelkuchen und eine Eiskugel. Beides kann man getrennt genießen aber zusammen bilden sie etwas Großartiges. Musikfilme haben einen besonderen Platz in meinem Herzen, da sie mich sowohl akustisch als auch visuell reizen. Zudem sind die Produktionen immer hochwertiger geworden, die Oscar Nominierungen und Verleihungen sprechen da eine eindeutige Sprache. Ich hoffe daher, dass noch zahlreiche weitere Filme folgen werden.
Led Zeppelin, Linkin Park, ein Biopic über Lady Gaga anyone?
