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Winter in Hamburg

Heute gibt es eine Spezialfolge meiner Lieblingsfotos mit Winterbildern aus Hamburg.

Winter in Hamburg

Weißes Kleid, kaltes Herz

Die kalte Jahreszeit ist nach wie vor meine Lieblingszeit. Nicht nur, dass man sich gegen Kälte besser schützen kann, als gegen Hitze. Der Winter zaubert auch immer wieder wunderschöne Szenen vor die Augen und Kameralinsen. Dennoch ist das kalte Wetter eine Herausforderung, wenn man fotografieren möchte. Oftmals ist das Licht schlecht und während man wartet, dass es besser wird, friert man sich gehörig den Mors ab. Hat es dann aber geklappt, freut man sich um so mehr.

Ich gehe aber auch ohne Kamera gerne durch das Winterwetter spazieren. Dabei muss ich aber feststellen, dass der Klimawandel auch vor dem Winter nicht Halt gemacht hat. Wir haben immer weniger Schnee und ein insgesamt milderes Klima. Wir Menschen habe uns die Jahreszeiten wohl kaputt gemacht. Es kommt aber trotzdem vor, dass auch hier der Schnee fällt.

Zur Feier des Tages und meines Lieblingswetters gibt es heute eine Sonderausgabe meiner Lieblingsbilder. Dieses Mal mit dem Thema: Winter in Hamburg.

Diese ganz besonderen Morgen

Hamburg Neuwerk Die Elphi an einem frühen Morgen im Winter (2021 / Markus Daams / CC0)

Hamburg ist vor allem Schietwetter und grauer Himmel, so sagt man. Und ganz falsch ist das auch nicht, denn wir haben hier sehr oft mindestens 50 Schattierungen von Grau im Himmel. Es kann einem aber passieren, dass Hamburg einen überraschen will. Das passiert gerne einmal sehr früh am Morgen, wenn die Sonne die Nacht beiseite schiebt, um wieder der „Star“ am Himmel zu sein. Genau dann entstehen die beeindruckendsten Lichtspiele am Himmel.

Als Tourist muss man natürlich Glück haben, dass man so einen Moment erwischt. Ich hatte das schon öfters einmal das Vergnügen. Wie auch an dem Tag, an dem ich die Elbphilharmonie in goldgelbes Licht getaucht vorfand. Das lose Eis auf der Elbe bildete den perfekten Kontrast dazu. Später haben sich noch ein Schlepper und eine Hafenfähre in die Szene verirrt, noch Hambuger ging es dann nicht mehr.

Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Ich hatte an diesem Morgen nur durch Zufall eine Kamera dabei. Ich ging die Strecke in Richtung Landungsbrücken routinemäßig ab, denn irgendwann schaut man in Hamburg nicht immer so genau hin, wenn was im Hafen passiert. Die Stimmung, erzeugt durch den Sonnenaufgang, war aber so besonders, dass selbst Hartgesottene stehen blieben und alles zückten, was Fotos machen konnte. Durch die kalte klare Luft im Winter kommen solche Momente besonders häufig vor.

Elbe on the rocks

Die vereiste Elbe Die vereiste Elbe. Die Wege werden durch Fähren und Eisbrecher frei gehalten (2014 / Markus Daams / CC0)

Wer einmal in Hamburg war und sich in das kleine Hafenmuseum in Övelgönne verirrt hat, kennt sie vielleicht, die „Stettin“. Sie ist ein alter Dampfeisbrecher und dient heute als Museumsschiff. Eisbrecher gab und gibt es in Hamburg immer noch. Sie sollen die Schifffahrtswege befahrbar halten. Sie sind allerdings nicht mehr so oft beschäftigt, denn der Klimawandel hat dafür gesorgt, dass die Elbe das ganze Jahr über weitgehend frei von Eis ist. Das war aber nicht immer so. Auch ich kann mich noch daran erinnern, wie dicke Eisschollen die Elbe herunter getrieben sind. Eisbrecher, Barkassen und Fähren haben dann dafür gesorgt, dass die Elbe nicht wieder zufriert.

Das Bild oben ist im Jahr 2014 entstanden. Auf der ganzen Elbe waren kleine und große Eisschollen unterwegs. Es ist ein besonderes Gefühl, bei so eine Wetterlage mit einer der Hafenfähren unterwegs zu sein. Mann kann auf dem Dampfer spüren, wie der sich den Weg frei machen muss, denn auch kleine Eisschollen erzeugen einen gewissen Widerstand.

Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Im Jahr 2014 gab es viel Schnee und Eis in der Stadt. Mir haben meine Fotospaziergänge zu dieser Zeit viel Spaß gemacht. Die Elbe in so einem Zustand zu sehen, war und ist etwas Besonderes für mich. Wer, wie ich, den Winter mag, der freut sich natürlich auch über jede Form und Art von Eis und Schnee.

Der Schein trügt

Ein zugefrorener Kanal Ein zugefrorener Kanal in Hamburg (2021 / Markus Daams / CC0)

Hamburg besteht aus vielen, sehr vielen Wasserwegen. Da haben wir die großen Flüsse wie Elbe, Alster und Bille, die tideabhängigen Fleete und dann wären da noch die zahllosen Kanäle. Die Kanäle sind nicht tideabhängig, also wird ihr Wasserstand nicht von Ebbe und Flut bestimmt. Ihr Wasserstand bleibt immer gleich und somit hat es der Winter hier auch einfacher, eine schicke Eisdecke auf das Wasser zu zaubern.

Viele Kanäle waren für die Wirtschaft in der Stadt einst sehr wichtig. Mit Schuten wurden Materialien angeliefert oder fertige Produkte zum Hafen verschifft. Diese Bedeutung ist mit der Zeit verloren gegangen, daher ist es nicht mehr ganz so wild, wenn die Kanäle vereisen. Sind die Temperaturen sehr niedrig, bildet sich eine Eisschicht. Ein Problem entsteht nur dann, wenn Menschen die Dicke der Schicht falsch einschätzen, was leider viel zu oft passiert. Sie brechen dann ein und riskieren Gesundheit und Leben. Man sollte niemals auf das Eis der Kanäle gehen. Nur sehr selten ist die Eisschicht tatsächlich tragfähig. Am besten ist es, dieses hübsche Schauspiel immer nur vom Ufer oder von einer der sehr zahlreichen Brücken zu bewundern.

Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Die Kanäle in Hamburg erlauben häufig einen sehr weiten Blick und Richtung Horizont. Wenn sich dazu noch ein hübscher Sonnenaufgang gesellt und Väterchen Frost den Pinsel geschwungen hat, dann findet man selbst im tristesten Industriegebiet so etwas wie Schönheit.

Alle paar Jahrzehnte

Die zugefrorene Alster Die zugefrorene Außenalster (2012 / Markus Daams / CC0)

2012 war es wochenlang eiskalt in Hamburg. Januar und Februar waren so frostig wie lange nicht mehr. Als Hamburger begann man dann bewusst oder unbewusst im Radio oder in der Zeitung nach einer wichtigen Meldung der Behörden zu lauschen. „Die Alster darf betreten werden“. Diese Meldung läutete dann ein Event ein, das in keinen Kalender stand und nicht geplant werden konnte, das Alstereisvergnügen. Eilig schafften geschäftige Menschen ihre Pommes- und Glühweinbuden auf die Alster und die Stadt machte sich auf, ihr schönstes Gewässer zu betreten. Das Herrschaftsgebiet von Alsterschwänen, Alsterdampfern und Segelschiffen gehörte plötzlich dem ordinären Fußgänger.

Das Alstereisvergnügen habe ich nur zwei Mal erleben dürfen. Auch dieses Ereignis hat uns der Klimawandel genommen. Jüngere Generationen kennen es also gar nicht mehr. Es dauert sehr lange, bis die Alster zufriert. Denn entgegen der populären Meinung ist die Alster kein See, sondern ein Fluss – auch an der Stelle, an der sie so aussieht, wie ein See. Es muss also sehr lange besonders kalt sein, bis sie zufriert. Leider kommt dies nicht mehr vor und ob es das jemals wieder wird, ist nicht abzusehen.

Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Es ist ein ganz besonderes Gefühl ein Gewässer zu betreten, dass man nur vom Ufer aus kennt. Man kennt es mit Alsterdampfern und Tretboten, aber sicher nicht mit Fußgängern darauf. Mitten auf der Alster bekommt man dann ein Panorama geboten, das wahrlich einmalig ist. Man sieht die Stadt aus einem völlig anderen Blickwinkel. Solche Momente vergisst man nicht. Das Alstereisvergnügen ist durch seine Seltenheit die außergewöhnlichste Veranstaltung der Stadt.

Das büschen Schnee

Der verschneite Weg in die Dünen Der verschneite Weg in die Boberger Niederungen (2023 / Markus Daams / CC0)

Es gibt ein Gefühl, dass ich sicherlich mit einigen Menschen teile. Das Gefühl, das man hat, wenn man einen Spaziergang durch frisch gefallenen Schnee macht. Es knarzt unter den Füßen, die Luft ist kühl und klar – das Winterfeeling stellt sich ein. Auch das kommt immer noch in Hamburg vor, wenn auch viel seltener, als es mal der Fall war.

Der Schnee lässt regelmäßig den Verkehr in Hamburg zusammenbrechen. Wir sind es emotional und vermutlich auch vom logischen Denken her nicht gewohnt, wenn das Wasser, was hier an den meisten Tagen herunterfällt, plötzlich den Aggregatzustand ändert. Möchte man dem Verkehrschaos aus dem Wege gehen, lohnt sich ein Ausflug in eines unserer vielen Naturschutzgebiete. Bei mir stehen dann die Boberger Niederungen auf der Liste möglicher Ziele weit oben. Dort wird kein Schnee geräumt, also muss man warme Klamotten und festes Schuhwerk anlegen. Sehr früh am Morgen, noch vor dem Sonnenaufgang, findet man verschneite und verträumte Wege. Für diese Momente liebe ich den Winter.

Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Ich habe eine Vorliebe für die verschneite Natur, weil sie meine Fantasie anregt. Der Weg vor mir war verschneit, die Lampen tauchten die Szene in ein schummeriges Licht und dazu war es klirrend kalt. Das klingt doch alles nach dem Auftakt eines spannenden Romans – oder nach einem entspannten Winterspaziergang. Jeder, wie er mag.

Die Stadt ist weit weg

Die verschneiten Dünen in den Boberger Niederungen Die verschneiten Dünen in den Boberger Niederungen (2024 / Markus Daams / CC0)

Wenn wir uns schon einmal auf den Weg in die Boberger Niederungen gemacht haben, besuchen wir doch gleich einmal die Dünen. Wer in Hamburg lebt, gewöhnt sich schnell an die vielen tollen Anblicke der Stadt. Das ist nur menschlich, denn wir sind Gewohnheitstiere. Wo Touristen stehen bleiben und die Kamera zücken, hetzen wir auf dem Weg zur Arbeit vorbei, denn wir haben den Anblick ja das ganze Jahr vor der Nase. Es fällt schwer, das Besondere zu erkennen, wenn man es jeden Tag sieht.

Ich liebe unsere Naturschutzgebiete. Besonders oft bin ich in den Boberger Niederungen. Als Kind war dies ein riesiger Abenteuerspielplatz für mich. Die Sanddünen stechen besonders heraus. Wo sonst in Hamburg, oder in Deutschland, findet man natürliche Sanddünen aus Gletschersediment, mitten in einer Marsch- und Heidelandschaft. Waren die Dünen für mich in jungen Jahren eine kleine „Wüstenlandschaft“ mitten in Hamburg, habe ich mich irgendwann an den Anblick gewöhnt.

Frau Holle sorgte eines Tages für den Perspektivwechsel. Ich ging in den Niederungen spazieren, ohne den Wetterbericht zu checken. In Hamburg schneit es leider nicht mehr allzu oft, also rechnete ich auch nicht damit. Aber mitten im Naturschutzgebiet und weit ab vom Trubel der Stadt begann es zu schneien – und wie! Vor meinen Augen hatte sich die Landschaft verwandelt und war bedeckt von einer dicken weißen Schicht. Für Autofahrer in Hamburg der absolute Endgegner, für mich ein besonderes Ereignis.

Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Das war ein leicht chaotischer Ausflug. Ich hatte keine richtigen Winterplünn an und war in Fotolaune. Als es anfing zu schein, schneite es von Minute zu Minute doller. Irgendwann begann ich mir Sorgen um meine Fotoausrüstung zu machen. Allerdings war ich zugleich fasziniert von dem Schauspiel und wollte es irgendwie einfangen. Die Dünen kannte ich bis dahin nur in Sandfarben. Verschneite Sanddünen waren auch für mich einmal was Neues. Das alltägliche wurde plötzlich besonders.

Weihnachten ist, wenn die Alster leuchtet

Die Weihnachtstanne auf der Alster Die Weihnachtstanne auf der Alster (2020 / Markus Daams / CC0)

Ich bin davon überzeugt, dass die meisten Menschen ein kleines Ereignis für sich ausgewählt haben, ab wann für sie persönlich Weihnachten losgeht. Für die einen ist es das erste „Last Christmas“ im Radio, für die anderen die Weihnachtsbeleuchtung in der Stadt. Für mich war es immer die Weihnachtstanne auf der Alster. Seit ich denken kann, bin ich fasziniert von dem illuminierten Grün auf dem Fluss.

Die Alster kennen die meisten mit ihrer Fontäne und den Dampfern darauf, garniert mit majestätischen Schwänen. Das ist eines unserer bekanntesten Postkartenmotive, so denn man noch Postkarten versendet. Im Winter wird die Fontäne aber wegen der Eisgefahr abgestellt. Dann ist Platz für die weihnachtlich beleuchtete Tanne, die jedes Jahr von einem Unternehmen aus der Stadt gesponsort wird. Findet sich auch ein Sponsor für die Alsterdampfer, werden diese ebenfalls geschmückt. Die ganze Innenstadt wird festlich gestaltet, sodass selbst der grinchtigste Grinch anerkennen muss, dass das schon ganz schön entzückend ist.

Ich spaziere zu dieser Zeit gerne durch die Innenstadt. Hamburg hat sich in letzter Zeit immer mehr Mühe gegeben, die Straßen festlich zu gestalten. Mein persönlicher Höhepunkt ist und bleibt dabei die weihnachtlich geschmückte Tanne auf der Alster. Wenn diese leuchtet, dann ist für mich Weihnachten.

Warum ist das eines meiner Lieblingsfotos? Ich scheute viele Jahre lang den Aufwand, die Tanne zu fotografieren. Erstens wurde sie schon millionenfach abgelichtet und zweitens ist es nicht ganz ohne. Man steht in der Kälte und muss mehrere Langzeitbelichtungen machen. Es reicht der Hauch eines Windstoßes und das Foto gelingt nicht so, wie man es sich wünscht. Aber eines Tages nahm ich mir ein Herz, denn für mich ist die Weihnachtstanne auf der Alster ein schönes Symbol, verbunden mit schönen Erinnerungen. Dafür friere ich dann halt mal ein Stündchen, oder zwei. Beim Anblick der Fotos, die ich gemacht hatte, wurde mir dann schnell wieder warm ums Herz.

Zum Schluss

Weihnachten ist die Zeit, die in uns die Sehnsucht nach Frieden und Ruhe weckt. Vielleicht mag ich den Winter deswegen so, weil dieser mir ebenfalls dieses Gefühl vermittelt. Der Winter in Hamburg hat sich verändert und wird das wohl auch weiterhin tun. Dennoch findet er sich immer wieder ein und sorgt neben Verkehrschaos auch immer wieder für schöne und seltene Momente. Solche Momente versuche ich auf meinen Bildern festzuhalten – und in meinen Erinnerungen.

Mit dem Ende meiner kleinen Fotoreise verbinde ich den Wunsch nach eben diesem Frieden, den wir alle uns wünschen.

Ganz zum Schluss

Noch ein Hinweis: Viele meiner Lieblingsfotos finden sich auch auf meinem Profil auf Flickr und auf Pixabay. Einige davon werde ich in diesem Blog zukünftig vorstellen.

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