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Tschüss, 2025

2025 geht zu Ende. Ich blicke ein wenig zurück und hege naive Hoffnungen für das nächste Jahr.

Tschüss, 2025

Einleitung

Das Jahr 2025 war in vielerlei Hinsicht abwechslungsreich und wechselvoll. Das Weltgeschehen scheint die Sprunghaftigkeit eines pubertierenden Teenagers entwickelt zu haben. Darum soll es in dem letzten Artikel des Jahres aber nicht gehen, auch wenn es sich nicht ganz vermeiden lassen wird. Ich schaue mir die wichtigsten Themen rund um die IT einmal an und gebe freimütig meinen Senf dazu.

Auch in der Welt der IT ist viel passiert in diesem Jahr. Besonders die Art und Weise, wie wir mit der Technik und dem Internet umgehend, hat sich verändert. Zudem bin ich mir sicher, dass die Technik auch uns ein Stück weit verändert hat. Jede Neuerung ist immer auch eine Chance, sich selbst zu hinterfragen, inwieweit wir die Technik nutzen und die Technik uns.

Ich habe mir drei Themen ausgesucht, die meiner persönlichen Meinung nach im Jahr 2025 von besonderer Bedeutung waren. Wie alles in meinem kleinen Blog ist die Liste eine Geburt meiner subjektiven Wahrnehmung von der Welt. Ich schließe den Artikel dann mit einer kleinen Liste von naiven, aber hoffnungsvollen Wünschen ab. Und dann kann dieses Jahr seinen Gang in die Geschichtsbücher antreten.

USA vs EU vs China vs …

Ok, ganz ohne Weltpolitik komme ich in diesem Artikel nicht aus, denn leider haben sich einflussreiche Menschen und Gruppen in den USA dazu entschieden, dass die EU nicht länger eine der bedeutendsten Wirtschafts- und Friedensinitiativen der Menschheit ist. Stattdessen sollte die EU, wenn es nach diesen Leuten geht, aufgelöst oder zerschlagen werden. Nebenbei möchte man Kanada und Grönland von der Landkarte tilgen – bisher nur als eigenständige Nationen. Klingt deprimierend und ist es auch. Auch in China ist man sich seiner wachsenden Macht und seinem Einfluss mehr als bewusst, sodass europäische Werte und Normen auch aus dieser Windrichtung herausgefordert werden.

Aber auch durch die dunkelste Wolke scheint irgendwann die Sonne, denn nach den diversen und äußerst fragwürdigen Verlautbarungen aus den USA haben sich überall Bewegungen entwickelt, die sich den nihilistischen Kräften entgegenstellen wollen. Die Kanadier besinnen sich auf ihre Werte und ihr Land und vermeiden zum Beispiel Urlaube in Amerika. Oder sie trinken wieder den einheimischen Schnaps und lassen Jack & Jim im Regal stehen.

Auch in der EU hat sich dementsprechend etwas geregt. Man ist sich der teils fatalen Abhängigkeit von einigen wenigen Großunternehmen bewusst geworden. Die „Buy European“ Bewegung ist das, was man wohl eine „grass roots“ Bewegung nennen kann. Menschen aus verschiedenen Ländern haben sich zusammen getan, all die digitalen Angebote und Dienste aus Europa zusammenzutragen, zu bewerben und zum Wechsel zu animieren. Man informiert und hilft sich gegenseitig, ganz im europäischen Geiste.

Die große Abhängigkeit in Sachen Hardware, KI und teilweise auch Quantencomputing wird sich damit nicht sofort lindern lassen. Das braucht Milliarden schwere Investitionen und Mammut großen politischen Willen. Aber dass sich so viele Menschen zur EU bekennen und sie für eine schützenswerte und unterstützenswerte Institution halten, ist ein doch ein großartiges Signal.

Der nächste Schritt ist ein unabhängiger, resilienter und hoffentlich innovativer Euro Stack. Und Quantencomputing. Und Green-IT aus Europa. Und AI …

AI, AI, AI und Agentic AI

An diesem Thema kam man dieses Jahr garantiert nicht vorbei. Von YouTube, über Instagram bis TikTok, sie alle sind voll von dem, was inzwischen als „AI Slop“ berühmt und berüchtigt geworden ist. Dabei handelt es sich um billig generierte Inhalte, die sich millionenfach und per einfachsten Prompts erstellen lassen. Fake News können nun von muskulösen rosa Delfinen vorgelesen werden, wenn man sowas mag.

AI ist dieses Jahr endgültig abgehoben. Alle großen Player haben neue Sprachmodelle herausgebracht, die immer bessere Ergebnisse erzielen. Die Generatoren von Bildern sind endlich dahinter gekommen, dass Menschen nur selten 9 Finger an einer Hand haben, auch hier ist die Qualität der Endprodukte inzwischen bemerkenswert gut. Ob Code, Bilder, Musik, Videos, bei all dem kommt inzwischen AI zum Einsatz und das bekommen wir in allen Ecken des Internets zu sehen und zu hören, ob wir wollen, oder nicht. Die AI ist gekommen um zu bleiben.

Allerdings hat 2025 auch gezeigt, dass nicht alles vom Markt angenommen wird, was uns die Marketingagenturen dieser Welt als das nächste „geschnittene Brot“ verkaufen wollen. Agentic Browser zum Beispiel haben noch nicht mal eine Nische in einer Nische besetzt. Dabei handelt es sich um Browser, die eigenständig agieren sollen. Ich möchte einen Flug buchen oder ein Lama kaufen, weil ich dringend ein Lama brauche? Der Agentic Browser übernimmt die Recherche und bucht auf Wunsch auch gleich den Flug – oder kauft das Lama. Diese Art der Browser haben zwar für einiges Aufsehen gesorgt, hatten aber keinen nachhaltigen Impact. Dafür agieren sie aktuell noch zu dilettantisch. Es fehlen noch ein paar Vibe Coding Sessions, bis sie so nützlich sind, wie sie uns verkauft werden.

In dieselbe Kerbe schlug dann auch Microsoft, dass uns die Ankunft des Agentic OS verkündet hat. Ein Betriebssystem, das uns viel Arbeit abnehmen soll. Man kann also sein Betriebssystem beauftragen, Dinge zu erledigen, für die man früher einen Computer … Moment mal. Jedenfalls war die Reaktion auf die Ankündigung äußerst verhalten. Die Befürchtungen reichen vom versehentlichen Löschen der Festplatte, über unkontrolliertem Datenabfluss, bis zur Spionage. Erinnerungen an die Recall Funktion werden wach. Dass Linux dieses Jahr so getrendet hat, wie noch nie, lag daher nicht nur am Supportende von Windows 10. Microsoft scheint den Menschen Lösungen aufschwatzen zu wollen, zu denen aktuell noch die Probleme fehlen.

Bisher hilft die AI beim Coden und bei der Erstellung von nervigem Content für Social Networks. Und natürlich sollte man auch nicht die viel raffinierteren Phishing Methoden vergessen, die Dank AI nun möglich sind. Ein echtes Geschäftsmodell, dass die teils schwindelerregenden Börsenkurse der AI Tech Firmen unterfüttern könnte, fehlt aber nach wie vor. Mal schauen, was 2026 da bringen mag.

Ein Mal RAM? Macht 1.000 Euro

Ausnahmslos alles ist teurer geworden anno 2025. Die Preise für Speicher dürfen sich dieses Jahr aber die Siegerurkunde abholen. Durch den anhaltenden Boom rund um das Thema AI hat sich die Lage im Markt für PC Hardware angespannt. Überall auf der Welt entstehen aktuell Rechenzentren, deren Bedarf an diesen Ressourcen die Märkte leerfegen. So kann es aktuell passieren, dass das RAM-Kit, welches man im Januar noch für 300 Euro bekommen hat, nun mit 900 Flocken zu Buche schlägt. Dasselbe gilt auch für SSDs und sogar HDDs. Der Markt absorbiert aktuell alles, was vom Fließband fällt.

Das betrifft natürlich auch OEMs. Man muss kein Orakel sein, um vorauszusehen, dass die Preise für Notebooks, Fertig-PCs, Spielekonsolen usw. 2026 drastisch steigen werden. All diese Geräte wurden in einer Zeit entwickelt, als es noch keine AI gab. Man kann aktuell angebotene Hardware nicht zeitnah auf günstigere Hardwarekomponenten umstellen.

Aber nicht nur Hardware ist Mangelware, sondern auch Energie. Die bereits gebauten und noch zu bauenden Rechenzentren brauchen vor allem viel Strom. Wirklich sehr viel Strom. Bei dem aktuellen Hype gibt es leider nicht genug davon. In den USA arbeitet man daran, alte Atomkraftwerke zu reaktivieren und sogar Reaktoren von außer Dienst gestellten Atom-U-Booten umzuwidmen. Europa geht einen ähnlichen Weg und so entstehen in vielen Ländern wie Frankreich, Polen und Großbritannien neue Atomkraftwerke.

Dieses Jahr hat ein Wettrennen um wichtige Ressourcen für die AI-Entwicklung begonnen. Und wenn die „AI Blase“ nicht platzt, dann wird dies für viele Menschen und Länder unangenehm werden. Daher lasst uns weniger AI-Slop produzieren und hoffen, dass es anders kommt.

Wünsche für 2026

Wunsch Nummer 1: Die „Buy European“ Bewegung hat mir zugleich Mut und Hoffnung gemacht. Es war und ist schön mitzuerleben, wie Menschen aus allen möglichen Ländern und mit den verschiedensten Hintergründen zusammen gekommen sind, um aufzuzeigen, was die EU großartiges Zustande bringen kann. Denn daran mangelt es uns derzeit noch, die vielen tollen Produkte und Dienstleistungen aus der EU selbstbewusst zu unterstützen und zu vermarkten. Die Politik sollte die Energie, die aus solchen Bewegungen entsteht, aufnehmen und nutzen. Auf diesem Wege lassen sich all die notwendigen Investitionen in unsere digitale Infrastruktur und Resilienz positiv nach außen kommunizieren. Ich wünsche mir den Mut und das Engagement dieser Menschen für die Entscheider in Wirtschaft und Politik.

Wunsch Nummer 2: An den astronomischen Preisen für Computerhardware wird sich kurz- und vielleicht auch mittelfristig nichts ändern. Allerdings kann man aus der Not eine Tugend machen und wieder anfangen, effizient zu programmieren. Als Arbeitsspeicher und Rechenpower einer CPU begrenzt waren, musste man sein Programm (oder Spiel) auf die schlanke Hardware anpassen. Dieses Mindset brauchen wir wieder. Wenn man Doom auf einem Schwangerschaftstest zum Laufen bekommt, Linux auf den ältesten aller Computer flutscht wie ein Wassereis im Hochsommer, dann sollten wir genau diesen Sportsgeist erneut erwecken. Das Supportende von Windows 10 ist aus Gründen des Umweltschutzes ein Desaster. Funktionierende Computer werden über Nacht obsolet. Auch hier helfen alternative Betriebssysteme, den alten Recken neues Leben einzuhauchen. Ich formuliere den Wunsch etwas um: Linux an die Weltmacht!

Wunsch Nummer 3: Aktuell erleben wir eine Welle von nicht enden wollendem AI-Slop. Dazu gesellt sich „AI driven Spam und Scam“. Man braucht nur wenig Fantasie, wohin das führt. Man nimmt das Foto der Oma aus dem Social Network, animiert und vertont dieses und fertig ist der nächste WhatsApp Scam. Wir alle müssen wieder aufmerksamer werden und Dinge hinterfragen. Kritisches Denken ist in einem zunehmen künstlich generierten Internet wichtiger denn je. Ich wünsche mir, dass wir uns gegenseitig dazu animieren, Dingen auf den Grund zu gehen. Außerdem ist es wichtig, alle Menschen mitzunehmen, wenn es um das Wissen geht, was mit den neuen Technologien alles möglich ist. AI ist Macht. Mit Wissen und Informationen holen wir uns einen Teil dieser Macht zurück.

Fazit

Das Jahr 2025 hatte es in sich. Man mag das Wort „Epochenbruch“ schon gar nicht mehr benutzen, weil es seine Wirkung verloren hat. Die vielen Veränderungen haben auch vor dem Internet und der IT nicht Halt gemacht. Viele Themen haben es noch nicht einmal in meine Liste geschafft, wie zum Beispiel das Drama rund um Cloudflare. Es hat sich eben viel getan und die Auswirkungen werden wir bis ins nächste Jahr spüren.

Das Thema AI ist aufregend, macht teilweise Angst und bietet viele Chancen, alles zugleich. Wenn ich mit meinen bescheidenen Programmierkenntnissen ein Social Network zusammenzimmern kann, dann kann ich mir ungefähr ausmalen, was ein ausgewachsenes IT-Department damit zustande bringen kann. Bisher bringt uns die AI aber vor allem AI-Slop, mehr Spam und Scam, hohe Hardwarepreise und übergriffige Betriebssysteme.

Daher verdient 2025 nicht so wahnsinnig viel Wehmut. Es lohnt sich aber ein wenig Hoffnung für 2026 zu entwickeln, denn nichts motiviert so sehr wie der gute alte Spruch „schlimmer kann es nicht werden“. Wir alle wissen, es kann. Muss es aber nicht. Daher schließe ich diesen letzten Artikel mit der Hoffnung, dass 2026 allen guten Menschen überall auf der Welt mindestens eine tolle Sache passieren wird.

In diesem Sinne: Tschüss, 2025!

Die Außenalster am frühen Morgen Ein neuer Tag bricht an (2025 / Markus Daams /CC0)

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